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#MeinGroessterFail: Journalisten gestehen ihre Fehler

Der Hashtag ist nicht nur lustig, sondern auch ein Aufruf zu mehr Transparenz
Von Felix Schröder

„Wow, die haben hier ja richtig Ahnung bei der Dorstener Zeitung“, schreibt Sebastian Koch auf Twitter und lädt ein Foto eines Textes der Lokaljournalistin Stefanie Jacob hoch. In dem kleinen Artikel in besagter Zeitung schreibt sie über Sicherheitslücken von Computerprozessoren und verwechselt beim „Chips-Design“, dass das Aussehen eines Chips nichts mit der Leistung der Prozessoren zu tun hat. Mit dem Design ist der Prozess des Entwurfs eines solchen Chips gemeint. 

Viele hämische und verunglimpfende Kommentare folgen. Ihr Fehler wird von einem anderen Nutzer als „der Lacher des Jahres bereits anfang des Jahres“ bezeichnet. Ein weiterer schreibt über Jacob, dass die Praktikantin aus der „Mode-Ecke“ nun auch über das „Computer-Zeugs“  schreibe. Viele schieben den Ausrutscher auf das Aussehen der jungen Frau und spielen so auf verstaubten Blondinen-Klamauk an. 

In ihrem Beruf als Journalistin muss Stefanie Jacob mit Gegenwind leben. Doch Journalisten passieren Ausrutscher wie jedem anderen Menschen auch. Gute Journalisten freuen sich deshalb, wenn jemand sie auf ihre Fehler aufmerksam macht. Voraussetzung: Die Kritik bleibt sachlich und zielt nicht nur darauf ab, zum Beispiel eine junge Frau als dumm abzustempeln. 

Der Journalist Roland Grün startete deshalb eine Aktion mit dem Hashtag #MeinGroessterFail. Ihm tat seine Kollegin von der Dorstener Zeitung leid, obwohl sie beide nicht zusammenarbeiten. Es seien „vor allem die Strukturen in den Redaktionen, die zu solchen Fehlern führen“, schrieb er. Weil zum Beispiel jemand noch schnell kurz vor Andruck einen Text schreiben muss, ohne sich ins Thema einarbeiten zu können.

Seinem Aufruf auf Twitter folgten viele Journalisten, die daraufhin ihre größten Fehler offenbarten:

Diese Tweets sind nicht nur lustig, sie tun auch etwas Gutes. Sie zeigen, wie Journalisten mit Fehlern umgehen sollten: offen und ehrlich. Gerade jetzt ist das wichtig: In den USA wird die Fake-News-Debatte immer größer und auch härter geführt. In Deutschland fühlen sich viele Menschen von einer „Lügenpresse“ hintergangen und missachtet. Zwar ist das grundsätzlich Vertrauen in die Medien im Vergleich zu anderen Ländern hier noch relativ hoch. Die meisten Menschen finden, dass Medien ihre Kernaufgaben erfüllen und man ihnen in wichtigen Fragen vertrauen könne. Aber gleichzeitig hat einer BR-Studie zufolge die Hälfte der Bevölkerung an der Vollständigkeit der Berichterstattung, der richtigen Darstellung von Fakten und der Transparenz von Quellen etwas auszusetzen. 

Ein Hashtag wie #MeinGroessterFail wird diese Probleme nicht von heute auf morgen lösen. Aber es kann helfen, Vertrauen zu schaffen, wenn Journalisten zeigen, dass sie Fehler machen, und sich selbst dabei nicht so wichtig nehmen. Und es lässt Journalisten etwas weniger als gesichtslose Schreiberlinge wirken, stattdessen kann man die Menschen dahinter erkennen – was vermutlich diejenigen, die ihre Kritik unsachlich und geifernd äußern, auch ein bisschen netter sein lässt.

Vielleicht folgen dem Aufruf bald auch Menschen aus anderen Berufsgruppen. Der Rechtsanwalt Paul Lambertz twitterte: 

Die Dorstener Zeitung hat ihren Fehler korrigiert. Die Autorin wird den Shitstorm überstehen. Wahre Stärke zeigt sich bekanntlich im Umgang mit Fehlern.

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