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Befeuern die „Rich Kids of Tehran“ die Proteste in Iran?

Poolpartys, Dosenbier und dicke Autos: für manche ein Zeichen von Liberalität, für andere ein Affront.

Dosenbier, ausgelassene Poolpartys und viel nackte Haut – nicht unbedingt Bilder, die man mit Iran verbindet. Vielmehr ist es ein Land, das Mitteleuropäer an strenge gesellschaftliche und religiöse Regeln denken lässt. An Stereotype wie das Alkoholverbot und die Kopftuchpflicht, die dort für Frauen gilt.

Deswegen wirken die Bilder auf dem Instagram-Account der Rich Kids of Tehran (Tehran die englische Schreibweise für Teheran) ungewöhnlich. „Stuff they don't want you to see about Iran“ ist der Claim der Seite, auf der sehr wohlhabende junge Menschen Fotos und Videos aus ihrem Alltag in Iran posten. Sie zeigen sich leicht bekleidet am Pool, gerne mal mit einem alkoholischen Getränk in der Hand. Angelehnt an andere Rich-Kids-Accounts posten sie Fotos von teuren Designer-Handtaschen und sehr teuren, sehr dicken Autos.

Im Moment folgen mehr als 124.000 Menschen dem Account, über den in der Vergangenheit mehrmals Zweifel laut wurden. User hatten gemutmaßt, dass ein Teil der Fotos nicht echt sein könnte. Auf Anfrage der Daily Mail wiesen die Betreiber des Accounts den Vorwurf zurück. Sie betonten aber, dass jene Fotos, auf denen junge Menschen Alkohol trinken, außerhalb von Iran aufgenommen worden seien.

Manche User sehen in den Fotos der Rich Kids of Tehran das Zeugnis eines liberalen Alltags in Iran, als Gegenthese zu den gängigen Stereotypen. Andere sehen darin einen Affront. Gerade jetzt, wo in Iran sehr viele Menschen wegen wirtschaftlicher Benachteiligung und sozialer Ungleichheit protestieren. Wo Menschen für bessere Lebensbedingungen kämpfen, während die Oberklasse-Kids ihren Reichtum in pompösen Schnappschüssen festhalten.

In einem Kommentar in der New York Times stellt der iranische Autor und Journalist Amir Ahmadi Arian sogar die These auf, dass diese Bilder die Proteste befeuern: Bis Mitte der Nullerjahre habe es unter den Reichen des Landes eine Art „Gentlemen's Agreement“ gegeben, dass man bescheiden sein soll und seinen Reichtum nicht zeigt. „Aber ihren Millennial-Nachwuchs kümmert das nicht mehr“, schreibt Arian. „Wohlhabende junge Iraner [...] fahren schamlos ihre Porsches und Maseratis durch Teherans Straßen, vor den Augen der Armen, und posten Beiträge über ihren Reichtum auf Instagram. Die Fotos wandern durch Apps und die sozialen Medien und erzürnen die hart arbeitenden Menschen in anderen Städten.“

jwh

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