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Samsungs neuestes Smartphone kann nicht ins Internet

Ja, die meinen das ernst.
Sie sehen aus wie normale Smartphones, können aber deutlich weniger.

Sie sehen aus wie normale Smartphones, können aber deutlich weniger.

Foto: Samsung

Es klingt wie ein schlechter Witz, ist aber wirklich wahr: Samsung hat ein neues Gerät vorgestellt, das sich nicht mit dem Internet verbinden kann. Kein Wlan, kein LTE, kein UMTS, gar nix – das Galaxy J2 Pro ist immer offline. Das Smartphone - das man wahrscheinlich gar nicht so nennen sollte – kann also kaum noch etwas, das ein Smartphone ausmacht.

Man kann telefonieren, aber nicht über Whatsapp oder andere Messenger kommunizieren. Man kann Fotos machen, aber sie nirgends posten (und wir wissen ja alle: damit sind die Fotos wertlos). Man kann keine Musik streamen, nicht nachschauen, ob das Wetter am Abend immer noch schön sein wird oder wann die nächste U-Bahn kommt. Im Prinzip ist das Ding also eine Smartphone-Atrappe. Man fragt sich also: Sind die jetzt total durchgedreht bei Samsung? Welche Drogen haben die Manager genommen, als sie beschlossen, dieses Produkt auf den Markt zu bringen?

Aber ganz so abwegig ist das Produkt tatsächlich nicht. Denn das Telefon kommt nur in Südkorea auf den Markt, und richtet sich an eine sehr spezielle Zielgruppe: Schüler, die sich auf ihr „Suneung“ vorbereiten. Das ist ein achtstündiger Test, den alle Schüler absolvieren müssen, die in Südkorea studieren wollen.

Diese Prüfung ist für Südkoreaner die Prüfung. Sie ist sogar wichtiger als die Abschlussprüfung an der Uni selbst, weil sie bestimmt, zu welcher Hochschule man zugelassen wird. Südkoreaner sagen, dass dieser Test mehr als alles andere über ihre Zukunft bestimmt. Davon hängt ab, ob ihnen eine erfolgreiche Karriere bevorsteht oder nicht. Die Suneung-Prüfung ist das Ereignis, auf das sich südkoreanische Jugendliche jahrelang vorbereiten.

Dementsprechend hoch ist der Stellenwert, den die Prüfung in der südkoreanischen Gesellschaft einnimmt. Am Tag des Tests, der überall zeitgleich abgehalten wird, steht das Land still: Eltern beten für den Erfolg ihrer Kinder, die Geschäfte öffnen später, damit die Prüflinge nicht durch den Rushhour-Verkehr aufgehalten werden und pünktlich antreten können. Kinder und Jugendliche bereiten sich im Prinzip seit dem Kindergarten akribisch auf diesen einen Tag vor. In den letzten Wochen davor zählt für die meisten nichts anderes mehr. Sie leben für Suneung. Und was sie dabei natürlich am allerwenigsten gebrauchen können: ein Smartphone, das sie ablenkt.

Insofern scheint das neue Samsung-Produkt tatsächlich nicht dumm. Denn die südkoreanische Gesellschaft ist hochtechnisiert und Smartphone-besessen. Das Samsung-Smartphone ist für die Südkoreaner nicht nur ein technisches Gerät, sondern irgendwas zwischen zusätzlichem Körperteil und Symbol nationaler Identität. Das Smartphone einfach nicht zu beachten, scheint für viele keine Option zu sein. Gar nicht erreichbar zu sein, gar nicht fotografieren zu können, auch nicht. Und so mutet es plötzlich logisch an, umgerechnet etwa 150 Euro für ein Telefon auszugeben, das fast nichts kann.

che

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