Bekannte Persönlichkeiten haben es im Netz oft nicht leicht. Besonders, wenn sie Frau sind. Dann mischen sich unter die üblichen Anfeindungen meist auch noch sexistische Sprüche. Wie man darauf am Besten reagieren sollte, weiß wahrscheinlich niemand so recht. Die meisten Betroffenen ignorieren Beschimpfungen und Anzüglichkeiten in der Regel, manche schimpfen gelegentlich zurück. Beides durchaus verständliche Ansätze – aber erfahrungsgemäß nicht besonders erfolgsversprechend. US-Comedian Sarah Silverman allerdings hat offensichtlich einen Weg gefunden, den Hass im Netz abzuwenden und sogar in Freundschaft umzukehren.

Vergangene Woche teilte Silverman einen Artikel, indem beschrieben war, wie sie versucht hatte, Trump-Unterstützer zu verstehen. Der Twitter-Nutzer Jeremy Jamrozy reagierte darauf mit einem einzigen Wort: „Cunt“ – also dem extremsten Pendant zum Wort „Schlampe“, das die englische Sprache zu bieten hat. Anstatt die zusammenhangslose Beschimpfung einfach abzutun, nimmt sich Silverman Zeit für Jamrozy und antwortet empathisch:

„Ich glaube an dich. Ich habe deine Timeline gelesen und sehe, was du tust und dass deine Wut eigentlich nur versteckter Schmerz ist. Aber das weißt du. Ich kenne das Gefühl. PS: Mein Rücken tut auch verdammt weh!“ Der Mann hatte vorher in vielen Beiträgen von seinen Rückenschmerzen berichtet. Am Ende ihrer Nachricht fordert sie ihn auf, in sich selbst Liebe zu finden. Sie selbst sähe sie in ihm.

Schon nach dieser einen verständnisvollen Nachricht, öffnet sich der Mann einer Frau, die er nur Momente zuvor als „Cunt“ bezeichnete: Dass er als Kind missbraucht wurde, habe ihn runiert, schreibt er. Dass er sich deshalb nicht mehr für die Liebe entscheiden könne. Nun bräuchte er eigentlich Hilfe, sei aber zu arm, um dafür zu bezahlen.

Auf diese Nachricht antwortet Silverman mit mehreren Tweets. Darin sagt sie ihm, dass er allen Grund habe, wütend zu sein. Sie selbst sei jetzt auch wütend. Auch seine Rachegelüste könne sie verstehen – allerdings würde ihm Rache nur schaden und nicht helfen.

Weil er sich selbst auf Twitter als „Junkie“ bezeichnet, fragt sie ihn danach, ob er heroin-abhängig wäre – „NOT JUDGING!“ baut sie in diese Frage ein, also das Versprechen: „Ich verurteile dich nicht“.

Nein, sagt Jamrozy, er rauche nur Gras gegen die Schmerzen, die er wegen seines kaputten Rückens ertragen müsse. Sie rät ihm trotzdem zu einer Selbstgruppe zu gehen. Er verspricht „Ich werde gehen“ und erzählt weiter, er sei anti-sozial und habe keine Freunde. Es tue ihm leid, dass er sie beleidigt hatte.

Seine Entschuldigung akzeptiert Silverman sofort. Sie ermutigt ihn weiter, für sein Glück zu kämpfen und startet dann sogar einen Aufruf an ihre zwölf Millionen Follower: „Gibt es hier zufällig super Rücken-Spezialisten, die meinem Freund helfen können? Er hatte mehrere Bandscheibenvorfälle, ist nicht versichert und kann wegen der Schmerzen nicht arbeiten. Lasst uns ihm helfen, wieder auf die Beine zu kommen!“ Innerhalb weniger Minuten meldeten sich Ärzte bei Silverman.

Inzwischen war Jamrozy bei einem Arzt, der ihm fünf Bandscheibenvorfälle diagnostizierte. Silverman hat deshalb angeboten, die Kosten für seine Behandlung komplett zu übernehmen. Eine gute Tat, die Jamrozy zu einer anderen motivierte: Das Geld, das er über Spenden selbst schon für seine Behandlung eingenommen hatte, will er nun an andere Menschen mit ähnlichen Problemen spenden.

Und da sehen wir es: Nur weil ein Mensch auf einen anderen mit Hass reagiert, ist es nicht unbedingt angebracht, ihm das Gleiche zurückzugeben. Silverman hat gezeigt, dass Empathie viel Gutes bewirken kann und wohl der beste Ansatz im Umgang mit anderen ist – sogar im Internet.

lath

 

 

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