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Youtube reagiert auf Logan Pauls umstrittenes Japan-Video

Nach neun Tagen Schweigen bestraft die Plattform den Vlogger – ein kleines bisschen.
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    Bild: afp / Mark Ralston

Youtube hat sich nach Tagen des sehr lauten Schweigens endlich dazu durchgerungen, sich zu Logan Paul zu äußern und Konsequenzen aus dessen Verhalten zu ziehen.  

 

Der Vlogger besuchte auf einer Reise durch Japan für seinen Youtube-Channel auch den als „Suizid-Wald“ bekannten Aokigahara und entdeckte dort (erwartbar) ein Suizidopfer. Das fand er offenbar so irre, dass er den Toten ansprach, Witze machte, sich bei all dem filmen ließ und das Video an Silvester veröffentlichte. Am Neujahrstag wurde das Video erstmals gemeldet, mit der Aufforderung an Youtube, es zu löschen und Paul zumindest zu verwarnen. Das geschah nicht, obwohl offenbar Mitarbeiter der Google-Tochter das Video auf Verstöße gegen die Richtlinien untersuchten.

 

Das Video, Teil drei von Pauls „Tokyo Adventure“-Filmreihe, hieß „We Found a Dead Body in the Japanese Suicide Forest....“. Logan Paul postete als Thumbnail für das Video ein Bild, auf dem die Leiche des Menschen eindeutig zu erkennen war. Lauter Dinge, die gegen die Nutzungsbedingungen von Youtube verstoßen. Man hätte demnach annehmen können, dass Youtube Paul entweder dazu auffordern würde, das Video offline zu nehmen, es eigenständig von der Plattform zu entfernen oder zumindest eine Altersbeschränkung einzuschalten, sodass keine Kinder oder Jugendlichen (die Hauptzielgruppe von Vloggern wie Paul) solche Bilder sehen müssen.

 

Stattdessen hat sich Youtube für eine beliebte Strategie unter Social-Media-Diensten entschieden: Das Unternehmen reagierte einfach überhaupt nicht. Das Video wurde mehrere Millionen Mal angesehen, bekam tausende von Likes, kam auf Nummer 1 der Trending Charts und Logan Paul bekam noch ein paar tausend Follower zu seinen mehr als 15 Millionen dazu. Der Vlogger nahm das Video dann irgendwann selbst offline, als ihm auf Social Media-Kanälen wütender Protest entgegenschlug. Er entschuldigte sich zudem sowohl schriftlich, als auch per Video.

Am Mittwoch, also genau neun Tage nachdem das Video online ging, entschied sich Youtube dann doch, ein paar Konsequenzen aus dem Vorfall zu ziehen: Das Unternehmen gab bekannt, dass Logans Youtube-Channel aus dem „preferred ad program“ von Google entfernt werde (heißt: weniger Werbeeinnahmen für den Vlogger). Auch ein geplanter Film mit Logan in der Hauptrolle wurde abgeblasen und andere Kooperationen mit dem 22-Jährigen begraben. Logan Paul selbst hat sich eine Vlog-Zwangspause verordnet und ist erst einmal untergetaucht.  

 

Ob er viel aus dem Vorfall lernen wird, ist mindestens fraglich. Logan Pauls Aufenthalt in Japan war offenbar nicht nur wegen seines Besuchs in im „Suizid-Wald“ eine kulturell unsensible Unternehmung, wie ein Video-Zusammenschnitt zeigt. 

 chwa    

 

Anmerkung der Redaktion: Wegen der wissenschaftlich belegten Nachahmerquote nach Selbsttötungen haben wir uns entschieden, in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Dann gestalten wir die Berichterstattung bewusst zurückhaltend und verzichten, wo es möglich ist, auf Details. 

 

Wenn Du Dich selbst betroffen fühlst, kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge oder U25. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 gibt es Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

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