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Ist es ok, blöde Geschenke einfach weiterzuverschenken?

Unsere Autoren sind da unterschiedlicher Meinung. Die letzte Folge unserer Serie zu den Streitfragen um Weihnachten.
Von Katja Lewina und Maximilian Weigl
  • pro conta weihnachten weiterschenken cover
    Collage: Daniela Rudolf

Die Weihnachtszeit ist voll von kleinen Ritualen und großen Traditionen. An ihnen scheiden sich jährlich die Geister: Die einen hassen den Trubel rund um das Fest, die anderen genießen nichts mehr. Die finale Folge der großen Streitfragen rund um Weihnachten: unpassende Geschenke weiterverschenken oder nicht?

 

Katja reicht Geschenke, die ihr nicht gefallen, ohne schlechtes Gewissen an Freunde weiter:

 

Der Zweck von Geschenken ist denkbar simpel: Sie sollen Freude bereiten. Dass das selbst trotz Instruktionen via Wunschzettel nicht immer gelingt, gehört zum Schenken wie der Familienstreit zum Heiligabend – es ist unvermeidbar.

 

Nun gibt es verschiedene Strategien, wie man mit dieser Situation umgehen kann: Das Zeug in die hinterste Ecke des letzten Schrankes ballern und nie wieder rausholen (führt zu Vermüllung). Es umtauschen (klappt nicht immer). Es verhökern (ist ein klein wenig beschämend). Es wegschmeißen (ist eine Umweltsünde). Oder – Achtung, Königsweg! – es jemandem schenken, dem es gefallen könnte. Vorausgesetzt natürlich, es gibt so jemanden. Bei Küchenhandtüchern mit aufgestickten Weihnachtsmännern sind Zweifel durchaus berechtigt. Da hilft nur noch auf der Straße abladen und hoffen, dass irgendwer damit sein Glück macht. Aber für zu kleine Wollsocken wird sich immer jemand finden, ebenso wie für Bildbände, Kerzenhalter oder Badesalz.

Manches davon kann wegen seiner Banalität gleich weiterwandern: Wenn meine Freundinnen und ich uns kurz nach Weihnachten treffen, hat jede von uns mindestens ein missglücktes Geschenk dabei, das sofort jemanden findet, der sich darüber freut. Bei anderen Sachen wiederum ist klar: Das kriegt die X demnächst zum Geburtstag! Weil ich schon drei Milchkännchen habe, sie aber noch keins und dazu noch eine Vorliebe für Jugendstil. Oder weil ich Pullover mit Lurexfäden hasse, sie aber total drauf abfährt.

 

Die Ehre gebietet es natürlich, dass die wahre Herkunft des Stücks nicht unerwähnt bleibt. Und dass noch eine persönliche Kleinigkeit dazu kommt, weil ein wenig Sich-ins-Zeug-legen beim Schenken schließlich dazugehört.

 

So werden am Ende doch noch alle glücklich: Der Beschenkte, weil er etwas nicht so Geiles los ist. Der Nächst-Beschenkte, weil er etwas sehr Geiles bekommt. Und sogar der Schenkende – vorausgesetzt natürlich, er schafft es, seine Eitelkeit zu zügeln. Denn: Sein ursprünglich in die Hose gegangenes Geschenk, das hat am Ende doch noch jemandem Freude bereitet.

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Maximilian findet blöde Geschenke müssen nicht für immer blöd bleiben:

Mein dreijähriger Neffe freut sich über jedes Geschenk. Ich habe ihm aus Spaß einen Radiergummi geschenkt und gesagt: „Der ist für dich.“ Die Reaktion war überschwänglich. Wie toll ist das denn? Dann hat er damit gespielt. Irgendwie. Hauptsache Geschenk. Hauptsache spielen.

 

Im Erwachsenenalter steigen aber unsere Ansprüche an Geschenke. Und dann finden wir manche Geschenke einfach blöd und wollen sie loswerden. Die Formel Hauptsache Geschenk, Hauptsache spielen, klappt dann nicht mehr.

 

Die Geschichte mit meinem Neffen zeigt uns Erwachsenen aber, dass es eigentlich gar nicht so wichtig sein sollte, was geschenkt wird, sondern, DASS man beschenkt wird. Ein Geschenk ist nämlich fast immer  gut gemeint, weswegen man es dann auch gefälligst benutzen sollte. Irgendwie. Wenn man es aber resterampemäßig weiterverschenkt und nicht nutzt, missachtet man den gut gemeinten Charakter.

 

Dass der Schenker womöglich gar nicht davon erfährt, ändert daran nichts. Deswegen habe ich das stinkende Parfum von Tante Resi von vergangenem Weihnachten auch nicht einfach an meinen nicht so guten Freund José weitergeschenkt.

 

Ich muss gestehen: Dass das nicht passiert ist, lag nicht nur an einer moralischen Entscheidung. Es gab da auch ganz banal diese Angst, enttarnt zu werden. Wenn Tante Resi wie immer kurz nach Weihnachten zu Besuch gekommen wäre, hätte sie nach dem Gang ins Bad bestimmt gefragt, wo denn ihr toller Herrenduft geblieben sei. Ich als schlechter Lügner hätte dann gestottert: „Ja... den... hat... mein... Hund gefressen. Wir mussten ihm den Magen auspumpen.“ Und Tante Resi hätte dann angemerkt, dass ich doch gar keinen Hund habe und was die Scheiße soll und zack – schon wäre alles aufgeflogen. Etwas übertrieben, aber diese Angst, wenn man jemanden trifft und der nach seinem Geschenk fragt, kennt man. Nein, so sollte das nicht ablaufen. Und überhaupt habe ich mich dann irgendwann an frühere „blöde“ Geschenke erinnert.

 

Das Regenbogen-T-Shirt, das mir ein Freund einmal geschenkt hat, ist heute immer noch der Renner auf jeder „Bad Taste“ Party. Das Vogelkundebuch von Oma habe ich doch noch gelesen und streue seitdem im Smalltalk ironisch die besten Vogelfacts ein: „Eine tasmanische Vogelart jagt ihre Beute mit Fürzen. Wusstet ihr das?“

 

Und den – aus meiner Sicht– ganz unangenehm nach Zuckerwatte riechenden Duft von Tante Resi habe ich dann doch einmal ausprobiert. Und siehe da: Eine Kommilitonin lächelte mich an und sagte, sie fühle sich bei meinem heutigen Geruch an ihre Geburtstage auf dem Oktoberfest erinnert. Das fand ich lustig und charmant und deshalb war das ein schöner Moment.

 

Am Ende ist es nämlich ganz einfach: Ein blödes Geschenk muss nicht für immer blöd sein. Ein weiterverschenktes blödes Geschenk bleibt aber für immer blöd.

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