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#MeToo zeigt, wie alltäglich sexuelle Übergriffe sind

Tausende folgen dem Aufruf der Schauspielerin Alyssa Milano und bekennen auf Twitter: Auch wir sind Opfer geworden.
Das ist die Schauspielerin Alyssa Milano.

Das ist die Schauspielerin Alyssa Milano.

Foto: AFP/Chris Delmas

Viele Betroffene von sexueller Gewalt stehen seit Sonntagnacht öffentlich zu ihren Erlebnissen, indem sie auf Twitter mit dem Hashtag „MeToo“ ganz simpel bekennen: Auch ich bin Opfer sexueller Gewalt geworden.

Damit folgen sie dem Aufruf der Schauspielerin Alyssa Milano, die vor allem aus der Serie „Charmed“ bekannt ist. Sie forderte jede und jeden auf, der oder die schon einmal sexuell belästigt oder missbraucht wurde, mit den Worten „me too“ auf ihren Tweet zu antworten. So könne man den Menschen vielleicht zeigen, wie groß das Problem sexueller Gewalt tatsächlich sei.

Auf den Tweet haben inzwischen rund 30.000 Nutzer geantwortet, das „Ich auch“ hat sich als #MeToo auf Twitter inzwischen auch weit über den Account von Milano hinaus verbreitet.

Zunächst teilten vor allem Frauen ihre Erlebnisse. Teilweise vertraten sie unter dem Hashtag auch die Meinung, es läge nun an den Männern der Welt, ihr Verhalten gegenüber Frauen zu ändern. Daraufhin schrieben auch viele männliche Nutzer, sie seien ebenfalls sexuell belästigt oder missbraucht worden. Viele klagten darüber, dass sexuelle Gewalt gegenüber Männern oft als weniger schlimm wahrgenommen werde als Übergriffe gegen Frauen.

Milanos Aufruf zeigt inzwischen die Wirkung, die sich die Schauspielerin erhofft hat: Auch Menschen, die selbst nicht Opfer sexueller Gewalt geworden sind, tweeten seit Stunden unter dem Hashtag. Sie scheinen erstaunt darüber, wie groß das Problem tatsächlich ist, erkennen, dass das Problem jeden betrifft und plädieren vor allem an Männer, sich stark gegen sexuelle Gewalt zu positionieren. Viele wollen den Opfern auch Trost spenden und Mut machen – unter anderem, indem sie Menschen ansprechen, die sich noch nicht trauen, ihre Erlebnisse mit anderen zu teilen.

Der Aufruf der Schauspielerin ist wahrscheinlich eine Reaktion auf die Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Dieser soll dutzende Frauen vergewaltigt und sexuell genötigt haben, immer mehr Prominente gingen in den vergangenen Wochen damit an die Öffentlichkeit.

Alyssa Milano hatte in den vergangenen fünf Jahren im Rahmen einer Casting-Show mit Harvey Weinsteins Ehefrau Georgina Chapman zusammengearbeitet und ist schon lange gut mit ihr befreundet. Darum hatte sie sich zunächst nicht zur Weinstein-Affäre äußern wollen, obwohl sie mehrfach dazu aufgefordert worden sei, wie sie selbst in einem am 9. Oktober veröffentlichten Artikel schrieb. In diesem zeigte sie sich zwar erschüttert über die Vorwürfe gegen Weinstein, gleichzeitig aber begeistert über die neu entfachte Debatte. Sie sicherte Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, ihre Unterstützung zu.

lath

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