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Bitte folgen: Schlafplätzen, an denen wohl nie wirklich jemand geschlafen hat

Eine Kanadierin zeigt, wie bescheuert die inszenierte Outdoor-Welt auf Instagram ist.
Von Leonie Sanke

Zu sehen sind da …

… Schlafplätze in der Natur, die zwar wunderschön sind, an denen aber vermutlich nie jemand geschlafen hat. Denn wer würde ernsthaft freiwillig auf faustgroßen Steinen oder direkt an einem tödlichen Abgrund übernachten? Auch die Hängematten und -zelte an den unmöglichsten Stellen werfen die Frage nach dem Warum auf. Noch so ein beliebtes Motiv: Das hell erleuchtete Zelt unter einem unnatürlich funkelnden Sternenhimmel – Langzeitbelichtung macht’s möglich. Alles ganz individuell natürlich. Die Bilder sind hauptsächlich Reposts von Outdoor-Influencern, die auf Instagram ihr Geld damit verdienen, ihre Abenteuer in Szene zu setzen. Daneben stehen Kommentare wie „Ein Hoch auf die Originalität!“ oder „Carpe Die(m)“.

Dem solltest du folgen, wenn …

… du am liebsten sofort deinen 60-Liter-Rucksack packen und nach Norwegen oder Neuseeland auswandern würdest, um da ganz im Einklang mit der Natur zu leben. Gleichzeitig weißt du aber, wie unbequem und unfotogen Zelten meistens tatsächlich ist und bist genervt von der verzerrten Instagram-Wirklichkeit, die jetzt auch noch die Natur vereinnahmt. @youdidnotsleepthere liefert dir die passenden zynischen Kommentare zu den Bildern, die du gleichzeitig bewunderst und verachtest.

 

Dahinter steckt …

… die 28-jährige Kanadierin Luisa. Im Interview mit dem Field Magazine erzählte sie, wie sie auf die Idee kam, unrealistische Schlafplätze zu sammeln: Als sie mit Freunden am Grand Canyon campte, schlug eine Freundin vor, das Zelt für eine Aufnahme an einer besonders fotogenen Stelle aufzubauen. Luisa fand das lächerlich. Auf Instagram stellte sie aber fest, dass ihre Freundin mit diesem Zwang nicht alleine war. Um ihr Unverständnis auszudrücken, startete sie @youdidnotsleepthere, angelehnt an Accounts wie @youdidnoteatthat und @youdidnotskatethat.

 

Hin und wieder unterbricht Luisa ihr Konzept für einen politischen Post. Sie will ihre Reichweite von knapp 80.000 Followern sinnvoll nutzen. Beispielsweise fragte sie die Trump-Anhänger unter ihren Followern, warum diese den Präsidenten unterstützen. Dem Field Magazine sagte sie: „Es gibt einen Grund, warum das dumme Wort ‚Influencer’ existiert. Die Leute müssen anfangen, diesen Einfluss für mehr als einen Gehaltsscheck zu nutzen.“ Ein paar weniger idealistische Infuencer haben ihren zynischen Account schon geblockt. Der Heile-Hipster-Welt-Account @socality, von dem sie Bilder geteilt und kommentiert hatte, zum Beispiel. Das Paradies kann ganz schön humorlos sein.

 

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