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Sätze, die man nicht mehr hören kann, wenn man freiberuflich arbeitet

Nein, ich trinke nicht den ganzen Tag lang gemütlich Kaffee.
Von Johanna Bouchannafa
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Foto: Rob Bye / Unsplash; Bearbeitung: jetzt

Ich habe mich vor zwei Jahren als Journalistin selbstständig gemacht. Auch wenn ich mit dieser Entscheidung mehr als zufrieden bin, scheint mein Umfeld dem Ganzen etwas kritischer gegenüber zu stehen. Mein Vater macht sich Sorgen um meine Rente und meine Freunde glauben, dass ich den ganzen Tag nichts anderes mache, als gemütlich Kaffee zu trinken. Und so kriege ich regelmäßig dieselben Sätze um die Ohren gehauen. Aber nicht nur mein Bekanntenkreis hat seine Standardsätze parat. Auch meine Auftraggeber benutzen immer wieder dieselben Phrasen. Hier kommt mein persönliches Best of: 

Das bekomme ich von Freunden zu hören:

Das wäre ja nichts für mich ohne feste Arbeitszeiten.

Na ja, diese festen Arbeitszeiten kann ich mir ja theoretisch selbst setzen. Als Freiberufler muss man einfach genug Selbstkontrolle haben und sich auch dann an den Schreibtisch setzen, wenn einem kein übellauniger Chef in den Nacken atmet.

Können wir uns nicht tagsüber treffen? Du kannst doch sowieso arbeiten, wann du möchtest.

Ja, das stimmt. Theoretisch kann ich mir meine Arbeit so legen, wie ich möchte. Das heißt aber nicht unbedingt, dass ich mehr Freizeit habe. Wenn ich mich jetzt in Ruhe mit dir treffe, muss ich mich abends noch mal an den Schreibtisch setzen, wenn alle anderen schon Feierabend haben.

Das wäre mir ja nicht sicher genug.

Es gibt diese Phasen, in denen man Angst hat, diesen Monat nicht genügend Aufträge zu bekommen. Und auch Zeiten, in denen ich Jobs annehme, die mich eigentlich nicht so sehr interessieren. Aber im Großen und Ganzen habe ich als Freiberuflerin auch viel mehr Freiheiten und kann ehrlich sagen, dass meine Arbeit mir Spaß macht.

Du hast ja ein ganz entspanntes Leben – nicht so stressig wie mein Bürojob!

Ganz ehrlich: Das glaube ich auch! Deswegen bin ich ja so gerne Freiberuflerin. Dass mein Alltag jedoch immer nur gemütlich und entspannt ist, stimmt so auch wieder nicht. Immerhin habe auch ich Deadlines und muss meine Arbeit gut machen. Die Art von Stress ist einfach ganz anders. Statt Druck vom Chef oder vorgegebene Zeiten und Meetings, mache ich mir meinen Stress selbst. Nämlich dann, wenn ich zu viele oder zu wenige Aufträge habe.

Aber irgendwann willst du doch schon gerne wieder einen richtigen Job haben, oder?

Leute, ich habe einen richtigen Job! Nur weil ich keinen Chef habe und nicht im Großraumbüro hocke, heißt das doch nicht, dass meine Arbeit weniger wert ist! Und nein, wenn es so weiterläuft, möchte ich lieber nicht wieder einen „richtigen Job“ haben. Ich bin ganz gerne meine eigene Chefin.

Sowas würde ich ja auch gerne machen.

Diesen Satz bekomme ich nur dann zu hören, wenn ich gerade ein besonders cooles Projekt abgeschlossen habe. Das Einzige, was mir dazu einfällt, ist: Dann mach' es doch! Erwarte aber nicht, dass die ganz coolen Sachen dir als Allererstes entgegenfliegen. Ein bisschen habe ich schon dafür getan, um diese Projekte an Land zu ziehen.

Best of von Mama, Papa und Oma:

Wann wirst du denn endlich festangestellt?

Wenn’s gut läuft: hoffentlich nie. Das will ich nämlich gar nicht. Ich habe gerne verschiedene Auftraggeber und möchte auf keinen Fall zurück in einen Nine-to-Five-Job.

Hast du denn überhaupt genug Auftraggeber?

Offensichtlich kann ich von meinen Einkünften leben. Also, ja: Ich habe genügend Auftraggeber. Die sind aber nicht vom Himmel gefallen. Ich habe mir meinen Kundenstamm Schritt für Schritt aufgebaut.

Zahlst du überhaupt in die Rente ein?

Ja, man glaubt es kaum: Auch als Freiberuflerin spare ich jeden Monat brav auf meine Rente. Wie viel ich dann in fünfzig Jahren aber  tatsächlich rauskriege, ist bei mir genauso ungewiss, wie bei den Festangestellten in meinem Alter.

Super, selbst wenn du krank bist, kannst du ja nebenbei im Bett ein paar Texte schreiben.

Wenn ich wirklich krank bin, dann kann ich nicht arbeiten. Immerhin muss ja auch bei mir die Qualität stimmen, damit die Leute, die meine Artikel lesen, nicht das Gefühl haben, gerade kostbare Lebenszeit vergeudet zu haben.

Und hier sind die Lieblingssätze meiner Auftraggeber:

Kann ich das bis Montagmorgen haben?

Diesen Satz finde ich vor allem in Mails, die erst Freitagabend in meinem Postfach eintrudeln.  Die Antwort darauf ist schlichtweg: nein. Nur weil ich Freiberuflerin bin, heißt das nicht, dass ich rund um die Uhr verfügbar bin und Nacht- und Wochenendschichten einlege. Außer ich habe gerade Lust drauf.

Geht das auch ein bisschen billiger?

Natürlich kann ich verstehen, dass jeder gerne spart. Natürlich wäre es mir aber auch lieber, wenn nicht an mir gespart werden würde. In den meisten Fällen findet sich aber ein Preis, mit dem alle zufrieden sind.

Kannst du den Text schreiben? Geht ganz fix, ich schwöre!

Es geht nie ganz fix. Vor allem dann nicht, wenn das vorher vom Auftraggeber groß angekündigt wird. Stattdessen folgen dann drei Redigaturschleifen und so viele nachträgliche Änderungswünsche, bis das Endergebnis nichts mehr mit dem Originalauftrag zu tun hat.  

Wir hätten gerne einen Artikel zum Thema Wirtschaftsinformatik. Kannst du das auch?

Es gibt Bereiche, in denen ich mich auskenne und über die ich gerne schreibe. Genauso gibt es genügend Themen, von denen ich absolut keine Ahnung habe. Vielleicht könnte ich mich in diese Thematik reinarbeiten. Aber mal davon abgesehen, dass ich darauf keine Lust habe, wäre der Text am Ende trotzdem nicht so gut wie von jemanden, der sich wirklich für Wirtschaftsinformatik interessiert. Das heißt nicht, dass ich nicht offen für neue Bereiche bin und nicht auch gerne etwas dazulerne. Nur eben nicht über Wirtschaftsinformatik.

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