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2700 Euro brutto für den Straßenreiniger

Onur reinigt jeden Tag Berlins Straßen. Kein leichter Job.
Protokoll von Viktoria Klimpfinger
Onur säubert Berlins Straßen.

Onur säubert Berlins Straßen.

Foto: BSR

Der Verkehr

„Es gibt immer ein paar Autofahrer, die es besonders eilig haben. Klar gibt es manchmal wilde Hupereien, aber das ist normal. Mich stresst das eigentlich nicht. Dann drehe ich eben einfach das Radio lauter. Ich muss bei so was kühlen Kopf bewahren, denn sonst würde meine Konzentration nachlassen und im schlimmsten Fall könnte ein Unfall passieren.

Größere Probleme haben da sicher die Kollegen von der Müllabfuhr. Die müssen ja wirklich eine Zeitlang stehenbleiben und der Verkehr kommt ins Stocken. Da wird man schon öfter mal angepöbelt. Aber mit einer Kehrmaschine bewege ich mich ja doch beständig vorwärts. Und auch die Sammelfahrzeuge für die Papierkörbe sind nicht so groß, dass sie im Weg stehen würden. Ich selbst war glücklicherweise bisher in keinen Unfall verwickelt. Aber natürlich bekommt man hin und wieder Unfälle mit, wenn man am Straßenverkehr teilnimmt. Vor Kurzem musste ich bei einem Unfall zwischen einer Radfahrerin und einem Auto Erste Hilfe leisten und als Zeuge aussagen.

Der Job

Als Berufskraftfahrer bedient man bei der Berliner Stadtreinigung (BSR) die unterschiedlichsten Fahrzeuge, von kleinen wie den Kehrmaschinen, die den Gehweg säubern, bis zu den großen Fahrzeugen der Müllabfuhr. Müllautos fahre ich aber nur selten. Meine üblichen Fahrzeuge sind etwa die Kehrmaschinen, die Fahrzeuge zum Entleeren der Papierkörbe, und im Winter fahre ich je nach Witterung auch die Streufahrzeuge.

 

Die Ausbildung

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Am Anfang macht man erst mal den LKW-Führerschein und bekommt einen Einblick in die Fahrzeugtechnik, bevor man auf die Fahrzeuge losgelassen wird. Im zweiten und dritten Lehrjahr wird man jeweils drei bis vier Monate in den Bereichen der Straßenreinigung und der Müllabfuhr ausgebildet. Da lernt man die verschiedenen Fahrzeuge und die Einsatzgebiete genauer kennen.

Die Abschlussprüfung im letzten Lehrjahr besteht unter anderem aus einem praktischen Teil. Wir mussten dafür zum Beispiel eine Stadtfahrt machen: Wir bekamen drei Ziele, unsere Route mussten wir innerhalb von 15 Minuten mit einem Berliner Stadtplan zusammenstellen. Außerdem mussten wir mit verschiedenen Fahrzeugen einen Parcours bewältigen, bei dem wir zum Beispiel eine Rampe befahren, einparken oder durch eine versetzte Kurve, eine sogenannte Banane, rückwärts durchfahren sollten. Noch dazu wurde überprüft, ob wir einen Abschleppvorgang vorbereiten oder Reifen wechseln können.

Fahrsicherheitstrainings haben wir während der Ausbildung noch nicht. Aber nach Abschluss der Ausbildung müssen wir alle fünf Jahre fünf Module absolvieren, damit wir unseren Führerschein behalten. Die enthalten dann praktische und theoretische Kurse wie Fahrsicherheitstrainings oder Anti-Stress-Schulungen.

 

Der typische Arbeitstag

Je nach Einsatzart wird jeden Morgen neu eingeteilt, wer welches Fahrzeug fährt. Es kann auch vorkommen, dass man mehrmals am Tag die Fahrzeuge wechselt. Manchem Stammfahrer ist ein Fahrzeug aber auch fix zugeteilt. Ich hoffe, ich darf mich irgendwann dazuzählen. Momentan ist es bei mir so, dass ich bekomme, was frei ist. Meine bevorzugten Stammfahrzeuge wären im Winter das Streufahrzeug und im Sommer das große Kehrfahrzeug. Denn an den Streutouren führt im Winter ohnehin kein Weg vorbei. Aber ich fahre auch einfach sehr gerne mit dem Streufahrzeug. Und wenn man in der großen Kehrmaschine sitzt, bekommt man zum Beispiel viele positive Reaktionen von Kindern. Wenn sie das große Fahrzeug auf der Straße sehen, freuen sie sich und winken mir zu.

Meistens fahre ich mit den Kehrfahrzeugen oder Streufahrzeugen alleine. Aber es gibt auch Spezialfahrzeuge, die nur zu zweit gefahren werden. Zum Beispiel das für die Gulli-Reinigung. Da wäre der Arbeitsaufwand für einen alleine zu groß. Außerdem arbeiten wir auch in Gruppen, also mit den Kolleginnen und Kollegen, die in ihrem Revier dann mit den Besen und Handkarren zu Fuß unterwegs sind.

 

Die Routen

 

Im Winterdienst haben wir für die Streufahrten fest vorgegebene Routen, bei denen wir auch mit GPS und Navigationssystem arbeiten. Im Sommerbetrieb bekommen wir für die Straßenreinigung mit den großen Kehrmaschinen Straßen genannt, die wir reinigen müssen. Da  haben die Fahrer aber großes Mitspracherecht, weil sie die Gegebenheiten auf der Straße ja am besten kennen.

 

Illegal abgelagerten Sperrmüll sammeln wir im Auftrag der Ordnungsämter der Berliner Bezirke ein. Dazu werden Touren zusammengestellt, damit wir nicht zu jedem Müllhaufen einzeln hinfahren müssen. Warum Leute den Sperrmüll auf die Straße stellen, verstehe ich nicht. Es gibt die Recyclinghöfe und man kann den Sperrmüll auch von der BSR kostengünstig aus der Wohnung abholen lassen.  

 

Die Kollegen von der Müllabfuhr kriegen fest vorgegebene Strecken. Das bedeutet, dass festgelegt ist, welche Häuser sie anfahren müssen. Aber in welcher Reihenfolge sie das machen, legen sie selbst fest. Sie wissen ja auch am besten, wo Baustellen sind, wo zu einer bestimmten Uhrzeit immer oder besonders viel Verkehr ist.

 

Die Dienstzeiten

 

Es gibt eine Früh- und eine Spätschicht und im Winter zusätzlich eine Nachtschicht. Meinen Dienstplan für das komplette kommende Jahr erfahre ich spätestens Ende November des Vorjahres. Im Winter habe ich auch Rufbereitschaft. Wenn ich Frühschicht habe, dann habe ich im Winter auch Rufbereitschaft. Da kann es je nach Wetterlage durchaus vorkommen, dass ich um zwei oder drei Uhr Früh einen Weckruf von der BSR erhalte. Eine Computerstimme meldet sich und ich muss bestätigen, dass ich den Anruf bekommen habe. Wenn ich nicht rangehe, klingelt es immer wieder so lange, bis ich mich zurückmelde. Im Vorfeld werden die Wegzeiten der jeweiligen Fahrer berechnet, damit die Firma in etwa weiß, wann sie in einem Notfall mit mir rechnen kann.

 

Man versucht aber in der Regel, schon 24 Stunden im Voraus zu planen, ob wir am nächsten Tag früher als zur regulären Schicht gebraucht werden. Im Winter werden auch Kontrollfahrten eingeplant, wenn die Wetterlage unsicher  ist. Das wird geschaut und nur gestreut, wo es nötig – sprich glatt ist. Der Winterdienst geht im Oktober, spätestens im November los und läuft meistens bis Ende März, manchmal aber auch bis in den April hinein – je nach Witterung.

 

Das Privatleben

 

Der Job ist mit meinem Privatleben durchaus vereinbar. Es gab bisher nichts, wo ich Abstriche machen musste.

 

Die Motivation

 

Ich kann mir nicht vorstellen, den ganzen Tag im Büro zu sitzen. Deshalb genieße ich es, dass ich bei meinem Job ständig draußen unterwegs bin und das ganze Geschehen der Stadt miterlebe. Ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein sollte man aber auf jeden Fall mitbringen. Man nimmt immerhin am Straßenverkehr teil. Der ist in Berlin sehr hektisch, da muss man jeden Tag fit sein.

 

Das Geld

 

Ich verdiene inklusive Schichtzulagen 2700 Euro brutto im Monat.

 

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

 

Spezielle Fragen kommen eigentlich nicht. Die meisten Berliner wissen ohnehin Bescheid, was die BSR ist. Ich werde eher Allgemeines gefragt, also ob mir der Job Spaß macht und Ähnliches.

 

 

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