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2500 bis 2800 Euro brutto für die Yogalehrerin

Cordula, 28, hat der Unistress ins Yogastudio getrieben.
Protokoll von Nadine Kellner
jobkolumne yogalehrerin cover
Foto: Felix Krammer / Collage: jetzt.de

Der Beginn

Während meines Lehramt-Studiums habe ich irgendwann mit dem Yoga angefangen, wegen Schlafproblemen und Prüfungsstress. Ich bin nach kurzer Zeit täglich in das Studio und nach etwa zwei Jahren haben mich dort zwei Lehrerinnen angesprochen, ob ich nicht eine Ausbildung bei ihnen machen will. Ich habe zugesagt, obwohl ich auch mein Studium weitergeführt habe. Alles war ungeplant und sehr spontan. Deshalb bin ich meinen Lehrern unglaublich dankbar. Sie haben mir so sehr geholfen, meinen Weg zu bereiten. Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, und nicht so glücklich und zufrieden mit meinem Job, wenn ich nicht diese Lehrer gehabt hätte. Für mich ist das im Moment der schönste Job der Welt.

Der Job

Ich gebe Gruppenstunden in Studios, das nimmt etwa die Hälfte meiner Zeit ein, die andere Hälfte sind Privatstunden und Betriebsstunden in Firmen. Pro Woche sind das im Schnitt zehn bis elf Unterrichtsstunden à 60 bis 90 Minuten.

Bei der Art von Yoga, die ich unterrichte, geht es mir weniger darum, wahnsinnig flexibel zu sein oder einen perfekten Handstand zu können, sondern eher darum, dass man die Prozesse im eigenen Körper wahrnimmt. Zum Abschluss mache ich auch Übungen, die den Blutdruck senken und schließe mit Entspannungsübungen ab. Sie helfen am Besten, sich der ganzen Hektik des Alltags und dem Druck von Außen zu entziehen.

Zu meinen Stunden kommen alle möglichen Menschen. Studenten, Rentner, Manager, Künstler - und von Neun- bis 70-Jährigen war schon alles dabei. Ich unterrichte zwei Stile: Vinyasa- und Budokon-Yoga. Budokon ist gerade für die Jüngeren interessant. Es vereint Martial Arts wie Kickboxen, Jiujitsu oder Boxen mit Yoga. Dabei fühle ich mich unglaublich lebendig.

Der Weg

Ich habe mit einer 200-stündigen Grundausbildung im Vinyasa-Yoga in meinem Stamm-Studio begonnen. Vinyasa-Yoga ist eine moderne Yogaform, die Atem und Bewegung aneinanderbindet und sehr fließend ist. Ich habe den anatomischen Hintergrund gelernt, mich mit dem traditionellen Kontext auseinandergesetzt und das Handwerkszeug erarbeitet: Wie assistiere ich den Teilnehmern, wie korrigiere ich eine Haltung, wie helfe ich, sie für den Übenden noch intensiver werden zu lassen? Abgeschlossen habe ich mit einer praktischen Prüfung, in der ich für meine Lehrer eine Yogasequenz angeleitet habe, und einer schriftlichen Prüfung. Die ist mir zum Glück nicht schwergefallen, weil ich so am Stoff interessiert war, dass ich schon während der Ausbildung alles in mir aufgesogen habe.

Danach hätte ich sofort anfangen können, doch ich wollte noch 300 Stunden zusätzlich machen, da ab einem Ausbildungsstand des Lehrers von 500 Stunden die Krankenkassen für die Teilnehmer auch Kosten übernehmen. In der Aufbauausbildung habe ich erst richtig gelernt, zu unterrichten. Die 200 ersten Stunden waren wie Vokabeln lernen – die 300 danach wie in ein fremdes Land zu gehen und die Sprache tatsächlich zu sprechen. Weil die Grundausbildung im Studio von Patrick Broome 3400 Euro kostet, hatte ich am Anfang Bedenken, ob ich sie machen soll. Die weitere Ausbildung hat noch mal mehr gekostet. Vor allem für Außenstehende klingen diese Beträge immer sehr hoch. Ich finde den Preis aber total angemessen. Und ich konnte am Check-In des Yogastudios einen Nebenjob anfangen und so meine Kosten abbauen und die Ausbildung bezahlen. Danach wurde ich sofort im selben Studio übernommen.

2016 habe ich zufällig die Begründer des Budokon©-Yoga kennengelernt. Ihre Bewegungen und ihr Wesen haben mich sofort so sehr gepackt, dass ich noch eine 500-stündige Zusatzausbildung für Budokon© in Florida bei den Begründern angehängt habe. Seitdem vertrete ich Budokon© offiziell als Global Ambassador.

Das Freiberufler-Dasein

Ich kann mir gerade nichts Schöneres vorstellen, ich habe meine Leidenschaft zu meinem Beruf gemacht. Problematisch könnte sein, dass ich freiberuflich arbeite, ich mir also meine Aufträge selbst organisieren muss. Manchmal werden die Tage dadurch ein bisschen zerrissen. Dann hat man um neun Uhr eine Stunde, die nächste 14 Uhr und dazwischen eine Lücke. Aber wenn man übt, sich zu organisieren und zwischen zwei Unterrichtsstunden E-Mails beantwortet, Rechnungen schreibt oder Akquise betreibt, ist der Tag auch sinnvoll genutzt. Ich brauche jetzt zum Glück auch nicht mehr viel Zeit für die Kundensuche, denn über mein Netzwerk von anderen Lehrern bekomme ich bereits viele Anfragen.

Die Motivation

Yoga hilft mir, meine Gedanken zur Ruhe zu bringen. Es bringt mich aus der Hektik und dem Stress des Alltags heraus. Dieses Gefühl weiterzugeben, macht mich sehr glücklich. Ich weiß, dass ich jemandem den Tag ein bisschen angenehmer gemacht habe. Ich schaffe für 60 Minuten ein Umfeld, in dem ein Mensch Zeit hat, sich ganz mit sich selbst zu beschäftigen. Diesen Raum für andere zu öffnen, gibt mir das Gefühl, ich tue etwas Gutes. In den Gesichtern der Teilnehmer sehe ich nach der Stunde Ruhe, Gelassenheit und Sanftmütigkeit und habe das Gefühl, das sie ein bisschen mehr spüren, wer sie sind und wer sie sein wollen.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Es gibt da die Stirnrunzler, die fragen: „Also sitzt du so im Schneidersitz, den ganzen Tag?“ Ich lache dann herzlich. Natürlich ist Yoga mehr als nur der Schneidersitz! Yoga ist in unserer Gesellschaft immer noch mit dem Bild einer gewissen Esoterik verknüpft. Ich erkläre dann meinen Job, und je mehr ich erzähle, desto mehr Verständnis entsteht für die Tätigkeit, die ich ausübe. Ich möchte in der Zukunft mehr Menschen erreichen, die noch Vorurteile gegenüber Yoga haben oder eine Art Skepsis.

Viele Leute denken, wir Yogalehrer wären stets gelassen und hätten unser Leben in eine rosa Seifenblase verwandelt. Das stimmt natürlich nicht. Wir erleben die gleichen Konflikte wie andere auch, mit all den Emotionen, die dazugehören. Kurz gesagt: Wir Yogalehrer sind weder Erleuchtete noch Heilige.

Das Geld

Ich war zuerst Kleinunternehmerin und habe die Grenze von 17500 Euro pro Jahr nicht überschritten. Jetzt bin ich seit drei Monaten freiberuflich tätig, weil ich mehr Aufträge bekommen habe, und habe bisher zwischen 2500 und 2800 Euro im Monat brutto verdient, bei im Schnitt um die 30 Stunden Arbeit pro Woche. Das hängt bei uns Freiberuflern natürlich ganz davon ab, wie viele Stunden wir geben, für wie viele Stunden ich angefragt werde,  ob ich vielleicht sogar für Yogafestivals gebucht werde oder für Fachvorträge in Firmen, die mehr im Gesundheitsbereich für Ihre Mitarbeiter tun möchten. Dafür gibt es dann ja auch unterschiedlich hohe Gagen. 

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