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Mädchen, warum kommt ihr besser ohne uns?

Wo wir uns doch so viel Mühe beim Sex mit euch geben!
Von Jakob Tieleck und Lara Thiede
  • jungsfrage selbermachen cover
    Illustration: Katharina Bitzl; Foto: pngtree.com

Liebe Mädchen,

es geht mal wieder zur Sache. Zu der, die uns mit euch so höllisch viel Spaß bereitet. Und zwar im besten Fall erheblich mehr, als an uns selbst rumzuspielen. Für uns macht guter Sex mit euch fast alle anderen Fantasien absolut vergessenswert. Ein Porno oder eine sonstige stupide Masturbationsanregung wird für uns nie so gut sein, wie auf oder unter oder hinter euch beim Kommen mit kurzzeitigem Ganzkörper-Muskelversagen wegzusacken. Sekundenlang ist die Welt völlig schwarz und beim ersten tiefen Luftholen riechen wir wieder eure fantastisch duftende Haut. Wie sollte Wichsen da nur im entferntesten dran kommen?

Von der selbstgefälligen Vorstellung, dass es Euch genauso die Lichter ausbläst, nur weil wir in Euch eindringen oder kommen, haben wir uns ja schon verabschiedet. Trotzdem ist es den Guten unter uns wichtig, dass ihr diesen Höhepunkt auch so oft wie möglich erreicht. Uns wäre sehr daran gelegen, den Orgasm-Gap zu schließen. Diese Gleichberechtigung nützt uns ja. Denn wir vermuten: Die Chance darauf, häufiger mit euch nackt und ekstatisch in den Kissen zu wühlen, steigt unserer Erfahrung nach, je mehr Spaß ihr dabei auch an uns habt.

Wir geben unser Bestes - haben sogar das sackteure Abo bei OMGYes abgeschlossen

Ob also mit Zunge, Fingern oder unserem Ding: Wir versuchen, es Euch so zu machen, wie ihr es gerne hättet. Wir achten auf Euch. Und machen uns im Kopf Notizen: Auf was reagiert ihr besonders? Welche Berührungen und Bewegungen da unten führen zu kichernden Seufzern? Wie stöhnt ihr, wenn wir euch zärtlich an Nacken oder Hintern greifen? Oder ein bisschen fester? Welche Stellung, welcher Winkel, welche Tiefe gefällt euch? 

Einige von uns haben sogar das sackteure Abo bei OMGYes abgeschlossen. Und das liegt wirklich nicht nur daran, dass Emma Watson die Seite empfohlen hat. Klar himmeln wir Emma an. Aber die männlichen Abonnenten sind dort aus Fortbildungsgründen. Weil sie nämlich gesehen haben, wie ihr abgeht, wenn ihr euch selbst anfasst.

Wenn wir solche Videos sehen oder vielleicht mal am Telefon hören durften, wie ihr es euch in einem Leipziger Hotelzimmer selbst macht, dann beschleicht uns der Eindruck: Im Gegensatz zu uns bekommt ihr diesen Zustand der orgasmischen Hirnschmelze viel intensiver ohne uns hin. Auch wenn ihr den Sex mit uns fantastisch nennt. Und sogar wenn ihr mit uns und bei uns euren Höhepunkt erreicht. Gegen eure Solo-Orgasmen wirkt das oft als würdet ihr - verzeiht den stereotypen Autovergleich - mit angezogener Handbremse abfahren.

Irgendwie finden wir das schade. Die meisten von uns würden sich sehr freuen, die Erfahrung mit euch zu teilen, wenn ihr so wegtretet. Mindestens um währenddessen in eure schönen Gesichter zu blicken, am liebsten aber natürlich aktiv. Das heißt: Wenn das überhaupt möglich ist. Also: Ist es das, liebe Mädchen? Oder kommt ihr besser und intensiver ganz ungestört und ohne uns? Und wenn ja: warum?  Erklärt doch mal!

Eure Jungs

  • Mädchenantwort
    Collage: jetzt.de

Liebe Jungs,

es freut uns sehr, dass wir euch so viel Freude und Lust machen. Wir haben auch wirklich, wirklich, wirklich Spaß mit euch. Gerade deshalb tut es uns ein bisschen weh, dass ihr recht habt: Tatsächlich sind unsere Orgasmen nicht immer von gleicher Intensität und tatsächlich verpasst ihr die besten leider oft. Manchmal schüttelt ein Orgasmus uns so heftig durch, dass wir nicht mal mehr den Rest unseres Körpers im Griff haben, manchmal besteht er eher aus einem lokalen Kitzeln, Pochen, Zucken – wie beschreibt man das genau? Wir wissen es nicht. Aber wir können uns zumindest denken, warum wir mit uns alleine (nicht immer, aber oft) zu einem höheren Höhepunkt kommen als mit euch.  

Bevor wir dafür die Metaebene ansteuern, wollen wir der Vollständigkeit halber erst mal den offensichtlichen Grund abhaken: Wenn wir es uns selbst machen, sind Ausführender und Empfangender ein- und dieselbe Person. Was natürlich den Vorteil hat, dass der Job genau so erledigt wird, wie man es braucht. Wir machen es also so schnell, zärtlich, punktuell, wie es gerade angenehm ist – haben aber auch Verständnis, wenn unsere Hand langsam nicht mehr kann. Wir glauben nicht, dass es euch da viel anders geht. Wenn ihr euch einen runterholt, kommt ihr ja vermutlich auch oft schneller, als wenn euer Partner oder eure Partnerin erst mal erspüren muss, wie ihr es gerade haben wollt.

Beim Masturbieren fühlen wir uns freier – und nicht so schuldig für unsere hohen Ansprüche

Die Möglichkeit des Masturbierens hat außerdem den Vorteil, dass wir so nicht jede geheime Fantasie, die wir bis zu einem gewissen Grad ausleben wollen, mit euch teilen müssen. Denn die zu kommunizieren, kostet uns oft viel Überwindung. Vor allem wenn wir das Gefühl haben, dass sie uns unangenehm sein müssten.

Beim Masturbieren können wir, und das müsstet ihr auch kennen, unserer Gedankenwelt dagegen freien Lauf lassen. Indem wir zum Beispiel Pornos auswählen, die wir mit euch eher nicht anschauen würden. Schwulenpornos finden wir Frauen teilweise genauso erregend wie viele Männer Lesbenpornos, die Heterosexuellen unter euch aber eben oft nicht. Auch prekär: Analpornos. Denn obwohl einige von uns die gerne anschauen, heißt das noch lange nicht, dass sie nachmachen wollen, was sie darin sehen. Diese Fantasien könnten also früher oder später zu Missverständnissen oder Konflikten führen, die wir lieber nicht austragen wollen.

Genauso fällt beim Masturbieren ein anderes Problem weg: Dass wir uns ein bisschen schuldig fühlen, wenn wir Ansprüche haben, die ihr nicht erfüllen könnt. Ihr sagt ja schon selbst, dass ihr euch alle Mühe gebt, um den Orgasm Gap zu schließen. Einigen Anforderungen könnt ihr aber einfach nicht genügen. Dann tut uns fast schon leid, dass wir sie haben.

Manche von uns lieben zum Beispiel Vibration, haben aber – Überraschung! – keinen Mann mit vibrierendem Penis. Andere brauchen ganz viel Tempo beim Stoßen. Und das kann eine Maschine eben leisten, ohne dabei Gefahr zu laufen, an einem Keuchanfall und Überanstrengung zu sterben. Wir wollen euch mit unseren Sexvorlieben einfach wirklich nicht stressen, oder noch schlimmer: umbringen.

Sex mit einem Partner bedeutet oft auch ein bisschen Show – und die strengt an

Auf der anderen Seite fühlen wir uns auch selbst weniger unter Druck gesetzt, wenn wir mit uns alleine sind. Denn manchmal bedeutet Sex mit einem Partner ja auch ein bisschen Show fürs Gegenüber: Wir wollen den anderen schließlich heiß und heißer machen. Dafür stöhnen, kommentieren, dirtytalken wir, bringen unsere Körper in wenig bequeme Positionen, die unsere Geschlechtsteile dafür besonders gut zur Geltung bringen sollen.

Mal unter uns: Das kann verdammt anstrengend und ermüdend sein. Besonders, wenn der Sexpartner kein fester Partner ist. Da machen wir uns währenddessen ständig Gedanken: „Wie sehen meine Brüste jetzt wohl aus, wenn ich so auf dem Rücken liege? Was mach ich für ein Gesicht –eher sexy oder eher verstörend? Mag er beißen? Bin ich jetzt zu laut?“

Beim Sex lassen wir euch schließlich in unsere intimsten Bereiche vor- beziehungsweise eindringen, das macht uns anfangs oft nervös. Mit uns selbst dagegen fallen diese Zustände der Unsicherheit einfach weg. Wie wir aussehen oder uns anhören, beschäftigt uns beim Selbstbefriedigen kein bisschen. Wir können uns also einfach fallen lassen und auf das Kommen an sich konzentrieren.

Beim Masturbieren entscheiden wir selbst, wie lange es dauert

 

Und es gibt noch einen letzten, entscheidenden Vorteil, der euch jetzt bitte, bitte nicht verunsichern soll: Wenn wir es uns selbst machen, entscheiden wir, wie lange es dauert. Beim Sex mit euch sind wir da weniger flexibel. Wenn ihr (meist nach 5 bis 20 Minuten) gekommen seid, könnt ihr schließlich nicht einfach sofort weiter machen. Da muss erst mal eine verhältnismäßig lange Pause her.

Und selbst wenn ihr mit dem Mund oder der Hand weiterhelfen wollt, ist es eben nicht mehr so schön wie vorher, wenn wir wissen, dass auch euch noch der Orgasmus bevorsteht. Sind wir alleine, müssen wir uns nicht beeilen, sondern können unseren Orgasmus so lange wir wollen hinauszögern. Das steigert meistens die Lust und sorgt im besten Falle für ein brilliantes Endergebnis.

Genauso können wir aber auch schnell durchziehen, wenn wir das Gefühl haben, es muss jetzt sofort sein. Dann kommen wir auch gerne mal nach wenigen Minuten – ohne danach das Gefühl zu haben, noch weiter machen zu müssen, bis auch ihr endlich fertig seid.

Das heißt nicht, dass Sex ohne euch besser wäre

Ihr liegt also ganz richtig mit eurer Vermutung, dass unsere Orgasmen ohne euch oft intensiver sind. Was aber nicht heißt, dass Sex ohne euch besser wäre. Ganz im Gegenteil. Wir würden ihn niemals gegen Sex mit uns allein eintauschen wollen.

Denn obwohl unser Orgasmus am Ende vielleicht nicht gar so grandios ist oder ab und zu auch mal ausbleibt: Wir lieben es, mit euch zu schlafen. Sex mit Partner ist unberechenbar und spannend. Ihr gebt uns euren Duft, Wärme und Körperkontakt. Und wir euch im Gegenzug diese ehrliche Antwort: Eure Haut ist den meisten von uns letztendlich trotzdem lieber als die unseres Fingers oder das Silikon, Holz, Plastik eventueller Spielzeuge.

Eure Mädchen 

Was die Jungs noch von den Mädchen wissen wollten: