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Horror-Date: Der Champions-League-Junkie

Jeder hatte schon einmal ein Date, das total danebenging. In dieser Serie erzählen wir davon.
  • horrordate fussball cover
    Illustration: Katharina Bitzl

Dating-Situation: erstes Date, gemeinsames Kochen in der WG Geschlecht und Alter des Dates: männlich, 23 Jahre

Horror-Stufe: 5 von 10

Wir kannten uns lose über Freunde – es war also nicht das allererste Treffen, aber das erste zu zweit. Als klar wurde, dass wir uns auch gerne mal allein sehen würden, hat er mich abends zum Kochen in seine WG eingeladen. Bis dahin erschien er mir sehr liebenswürdig, zuvorkommend und witzig, und dieser Eindruck hielt sich auch die ersten zwanzig Minuten. Es war Sommer, die Fenster zum Hof standen offen, und er bot mir eine selbstgemachte Limonade an. Ich war beeindruckt.

Wir hatten keinerlei Startschwierigkeiten: Das Gespräch plätscherte von Anfang an leicht dahin, während wir gemeinsam Möhren und Zucchini auf einem Massivholztisch schnippelten. Hach, ein Traum! Zumindest so lange, bis er das erste Mal in seinem WG-Zimmer verschwand – und zwar zu lange, als dass ich einfach darüber hätte hinwegsehen können. Ich verkniff mir trotzdem eine Bemerkung, als er nach gefühlten fünfzehn Minuten zurückkam. In der Zwischenzeit hatte ich im Grunde allein den Auflauf vorbereitet. Egal, dachte ich, dann ist jetzt wenigstens viel Zeit, um sich in Ruhe zu unterhalten. Er nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank und lobte mich zwar für meine Arbeit, deren Ergebnis mittlerweile im Ofen war, aber wirkte ansonsten irgendwie abwesend. Und verschwand zwei Minuten später wieder in seinem Zimmer.

Als er mich nun zum zweiten Mal allein in der fremden Küche zurückließ, ging ich ihm nach ein paar Minuten hinterher und fand ihn gebückt stehend vor seinem Laptop, auf dem gerade Champions League lief. Mein Klopfen am Türrahmen hörte er nicht, weil er Kopfhörer trug, und so schreckte er erst hoch, als ich ihn am Arm berührte. Er klappte den Laptop zu, entschuldigte sich mehrmals und ging mit mir zurück in die Küche.

„Bleib doch, ist eh gleich Halbzeit” 

Dann folgten wieder wirklich nette zwanzig Minuten, in denen ich diesen merkwürdigen Vorfall tatsächlich fast vergaß. Wahnsinn, wie gut ich ihn gefunden haben muss. Das ging so lange gut, bis das Gericht fertig war und genau dann zufällig der Mitbewohner heimkam, den ich auch flüchtig kannte. Als wir uns zum Essen ins Wohnzimmer setzten, bat mich mein Date, mit ihm den Platz am Tisch zu tauschen. Auf die Frage warum, lächelte er nur verschmitzt. Sie beantwortete sich von selbst, als ein paar Minuten später der Mitbewohner hereinkam, sich auf die angrenzende Couch schmiss – und das Champions-League-Spiel auf dem riesigen Flachbildschirm anmachte, der sich in meinem Rücken befand.

Ab da sprachen beide mit mir nur das Nötigste, stellenweise blieben Fragen von mir einfach in der Luft hängen. Das hielt ich nur ein paar Minuten aus, ich ließ den halbvollen Teller stehen, um zu gehen, ohne mich zu verabschieden. Im Nachhinein betrachtet wäre das der Moment gewesen, an dem ich noch etwas Schlagfertiges hätte sagen sollen, aber natürlich fiel mir nichts ein. Und wenn schon, die beiden hätten es eh nicht gehört. Als ich im Flur meine Schuhe anzog, versuchte er mich mit einem „Bleib doch, ist eh gleich Halbzeit” vom Gehen abzuhalten. Dabei machte er sich nicht mal die Mühe, aufzustehen. Ein paar Tage später hat er sich übrigens dafür entschuldigt, aber er fügte hinzu, das sei einfach ein ungünstiger Tag für ein Treffen gewesen, das hätte er sich vorher überlegen sollen. Dass ich nicht gegen ein Fußballspiel ankam, schien für ihn ein gesetzter Fakt zu sein.

Die Autorin dieses Textes möchte lieber anonym bleiben. Sie ist der Redaktion aber bekannt.

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