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Jungs, machen euch fremde Brüste nervös?

Wenn euch unbekannte Brüste begegnen, wirkt ihr oft eher irritiert als erigiert.
Von Lara Thiede und Christian Helten
brueste friseur cover
Illustration: Daniela Rudolf

Liebe Jungs,

dass unsere (halb-)nackten Brüste in der Lage sind, die Heterosexuellen unter euch in Ekstase zu versetzen, haben wir mittlerweile begriffen. Stichwort Sexualkunde: Die weibliche Brust ist sekundäres Geschlechtsmerkmal der Frau und kommuniziert eurem Unterbewusstsein: „Hallo, ich kann deine zukünftigen Kinder säugen und sichere so den Fortbestand deiner Gene“. Dass euch Brüste aus der Fassung bringen, ist von der Natur also vorgesehen. Das kapieren wir schon irgendwie.

Worüber wir uns aber wundern: Euch scheinen Brüste auch dann nervös zu machen, wenn ihr ihnen außerhalb eines sexuellen Kontextes begegnet. Wenn sie einer wildfremden, für euch wenig attraktiven Frau gehören. Wenn sie euch zu nahe kommen, euch weder Gutes noch Böses wollen, sondern einfach nur da sind. Wenn ihr schwul seid und Brüste nicht besonders erotisch findet.

Beim Sport zum Beispiel. Viele von euch scheinen nicht damit klar zu kommen, dass Brüste mit zunehmender Größe nun mal wackeln. Sprachlos starrt ihr wie hypnotisiert auf unsere hüpfenden Brüste. Und das eben – da sind wir uns sicher – nicht in erster Linie aus sexuellem Interesse. Ihr wirkt dabei meist nämlich eher irritiert als erigiert, wenn wir das so sagen dürfen.

Aber auch außerhalb der Sporthalle gibt es Beispiele dafür, dass euch die Präsenz von Brüsten wohl nicht immer ganz geheuer ist: im überfüllten Fahrstuhl. In der Bahn. Beim Zahnarzt. Einer von euch war dort letztens. Und was ihn daran besonders verstörte, war nicht das Surren des Bohrers, sondern die Brust der Arzthelferin. Während die Frau sich nämlich über ihn beugte, um seine Zähne zu reinigen, sanken auch ihre Brüste weiter nach unten und nahe an das Gesicht des Patienten. Wenn der heute darüber nachdenkt, zieht er die Augenbrauen zusammen und wedelt abwehrend mit seinen Händen.

Also liebe Jungs, denkt doch noch mal nach: Wann machen euch Brüste nervös? Und vor allem: Warum tun sie das? Denkt ihr beim Anblick von Brüsten immer sofort an Sexualität und/oder Muttermilch? Kann man euch irgendwie helfen, sodass ihr hoffentlich bald lockerer mit Brüsten in näherer Umgebung umgehen könnt?

Eure Mädchen

Die Jungsantwort:

Jungs-Antwort

Liebe Mädchen,  

eigentlich habt ihr den Schlüssel zur Antwort in eurer Frage schon versteckt. Ganz am Anfang, wo es um die Sexualkunde und die sekundären Geschlechtsmerkmale geht. Da steht: Brüste machen was mit uns. Sie hängen oder stehen herum, meinetwegen hüpfen sie auch, jedenfalls tun sie in fast allen Aggregatszuständen erst mal immer eins: Sie rufen, meistens eher so mit Flirtstimme: „Hallo du! Wir gefallen dir, gell? Komm doch mal her! Fass uns gerne auch mal an!”

Glücklicherweise sind die allermeisten von uns in der Lage, diese Aufforderung als unvereinbar mit Respekt, Höflichkeit und Anstand zu betrachten. Wir wissen, dass da euer sekundäres mit unserem primären Geschlechtsmerkmal kommuniziert, welches seine Wünsche dann an uns weitergibt. Und wir wissen auch, dass es in den seltensten Fällen klug ist, diese Wünsche eins zu eins zu erfüllen.

Wann immer uns also Brüste begegnen, ist da grundsätzlich erst mal ein Konflikt. Und der löst das aus, was ihr als Unwohlsein oder Verwirrung bezeichnet:

Einerseits wollen wir die Brüste gerne ausgiebig wohlwollend betrachten. Darauf sind wir von Geschlechtsreife an konditioniert. So zwischen 12 und 16 gibt es kaum etwas, das wir lieber tun, manche von uns legen da ganze Fotoarchive in heimlichen Unterordnern auf ihren Rechnern an. Oder folgen bestimmten Frauen auf Instagram wegen nichts anderem als deren Brüsten. (Das auch, wenn wir älter sind als 16.)

Andererseits wollen wir euch nicht zu nahe treten: Wir wollen keine Brüderles sein, wir wollen euch nicht blöd anmachen oder -starren, wir wollen euch nicht auf euren Körper reduzieren und all dieser Scheiß.

Also: Ja, wir denken bei Brüsten in den meisten Fällen an Sexualität. Und dann denken wir daran, dass wir an Sexualität denken. Und dann, dass ihr das merkt und denkt, wir seien Spanner oder Schlimmeres. Sorry, aber in einer solchen Gemengelage lässt es sich schwer cool bleiben.

Und wenn uns dann eure Brüste wie im von euch erwähnten Zahnarztfall sehr nahe kommen, verkompliziert sich die Situation noch. Ebenso, wenn einem zum Beispiel große Brüste der Friseurin sanft auf der Schulter liegen, während sie uns die Koteletten stutzt. Da werden wir wahnsinnig!

Ihr müsst ja auch bedenken: Wir haben nicht sonderlich viel Erfahrung im direkten Kontakt mit Brüsten in nicht-sexualisierten Kontexten. Wir sehen nicht jeden Tag einen Busen im Spiegel, während wir uns die Zähne putzen.

Ihr schon. Wenn ihr Sport macht, seht ihr in Umkleiden noch viel mehr Brüste. Und wenn dieser Sport Ringen oder Judo oder Fußball oder irgendwas mit Körperkontakt ist, habt ihr bestimmt auch manchmal große Fremdbrüste im Gesicht oder auf der Schulter, ohne dass da Romantik im Spiel ist. Aber wir? Wir kommen, nachdem Muttermilch nicht mehr auf unserem Speiseplan steht, mit Brüsten halt nur noch in Berührung, wenn Sex zumindest in greifbarer Nähe scheint. Oder halt aus Versehen. Und das lässt uns dann kurz erschrecken.

Wenn ihr euch die Sachlage jetzt anschaut, werdet ihr sicher auch verstehen, dass wir euer Hilftsangebot am Ende deiner Frage leider ablehnen müssen. Denn die einzig wirksame Maßnahme wäre wohl eine FKK-Herangehensweise – dass also alle Frauen ständig oben ohne rumlaufen und wir ständig nackte Brüste sehen, bis sie uns irgendwann als etwas ganz Unsexuelles erscheinen. Die Welt müsste also eine einzige Saunalandschaft werden. Und das kann ja auch keiner wollen. Da erschrecken wir lieber ab und zu ein bisschen.

Eure Jungs

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