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Jungs, warum habt ihr keine Winterschuhe?

Habt ihr keine Kälterezeptoren an den Zehen? Oder ist das so ein „Mir sagt keiner, was ich zu tun habe, nicht mal der Winter“-Ding?
Von Teresa Fries und Christian Helten
  • maedchenfrage schuhe cover
    Foto: photögraphy.com/photocase.de

Liebe Jungs, 

 

ich persönlich bin kein Fan des Winters. Nicht zuletzt, weil mich die Outfits, die er einfordert, so gar nicht ansprechen. In Winterklamotten fühle ich mich immer wie ein zu eng gewickelter Burrito. Und das Schlimmste daran sind die Schuhe. In schweren Winterstiefeln läuft es sich einfach weitaus weniger beschwingt als in luftigen Espadrilles. Aber man kommt, wenn es kalt wird, einfach nicht um sie herum. Dachte ich zumindest. Deswegen wartete ich letztens in leichtem Schneegestöber in meinen ausgelatschten Winterschuhen auf meine Tram.

 

Und während ich da so warte, läuft einer von euch an mir vorbei. Oder eher: schlurft vorbei. Oben Wildlederjacke mit Lammfellkragen, darunter normale Jeans und ganz unten: Chucks, ursprüngliche Farbe nicht mehr eindeutig zu erkennen und so löchrig, dass man an manchen Stellen, die Socken durchsehen kann. Aus irgendeinem Grund bin ich mir sicher, dass er nicht vom plötzlichen Kälteeinbruch überrascht wurde und zu Hause keine dick gefütterten Winterstiefel darauf warten, ab morgen getragen zu werden. 

 

Euer Geschlecht ist doch sonst eher dafür bekannt, sich für das Leben in wilder Natur auszurüsten

 

In diesem Moment fällt mir auf, dass ich an so gut wie keinem von euch Jungs in meinem Umfeld schon einmal richtige Winterschuhe gesehen habe. Stattdessen schlittert und rutscht ihr in euren Sneakern durch die kalte Jahreszeit. Meinen Freund konnte ich vor zwei Jahren dazu bringen, sich die wahrscheinlich ersten wasserdichten Schuhe seines Erwachsenenlebens zu kaufen, nachdem er knöcheltief in einer New Yorker Schneematsch-Pfütze versunken war. Ungefähr zwei Wochen hat er sie getragen. Seitdem nie wieder.

Warum ist das so? Warum weigert ihr euch, euer Schuhwerk dem Wetter anzupassen – wo euer Geschlecht doch sonst eher als unseres dafür bekannt ist, sich für das Leben in wilder Natur auszurüsten, auch wenn die Ausrüstung dann mitten in München in einer Altbauwohnung lagert. 

 

Geht’s euch um den Style? Seid ihr so unorganisiert, dass der Winter einfach schon immer vorbei ist, bis ihr es schafft, euch ein paar richtige Schuhe zu kaufen? Fehlen euch Kälterezeptoren an den Zehen? Ist es so ein „Mir sagt keiner, was ich zu tun habe, nicht mal der Winter“-Ding? Hat euch das vielleicht einfach nie jemand beigebracht, wie das mit den Schuhen funktioniert? Kurz: Was ist da los an euren Füßen?

 

Eure Mädchen

Die Jungsantwort: 

  • Jungs-Antwort

Liebe Mädchen, 

 

ich habe in die Suchmaske gerade die Begriffe „Füße“, „Kälteempfinden“ und „Männer“ eingegeben. Und dann in vielen Ratgeber-Artikeln gelesen, dass wir tatsächlich weniger leicht kalte Füße bekommen. Unsere Frier-Grenze liegt generell etwa fünf Grad niedriger als eure. Hat mit dem Mehr an Muskelmasse zu tun: Muskeln sind nämlich gut durchblutet und heizen den Körper quasi automatisch auf.

 

Jetzt haben wir an den Füßen zwar nicht grade überquellende Muskelpakete, aber es gibt noch einen Unterschied: Eure Körper schalten schneller auf eine Art Not-Wärmeversorgung um, wenn es kalt wird. Die hat den Zweck, die Kerntemperatur im Körperinneren zu halten. Schließlich könnte, so das Kalkül der Evolution, da ja ein Baby drin sein, und das soll es schön mollig haben und überleben, selbst wenn euch dabei ein Zeh abfriert. Die Blutgefäße in euren Gliedmaßen ziehen sich deshalb eher zusammen und kühlen aus.

 

Die Antwort hat – ja, wirklich – auch mit Stilbewusstsein zu tun

 

Das heißt also: Wer wie wir nicht so oft an den Füßen friert, wünscht sich seltener Winterschuhe.

 

Der zweite Teil der Antwort hat mit Gewohnheit und – ja, wirklich: Stilbewusstsein zu tun.

 

Wir kommen – auch wenn es sicher Ausnahmen gibt – grundsätzlich eher mit weniger Schuhpaaren zurecht als ihr. Der Durchschnittsjunge hat, würde ich sagen, circa vier Paar Schuhe, die er regelmäßig trägt. Manche kommen sogar mit einem Paar zurecht. Ihr hingegen habt zu jeder Art von Anlass drei Paar im Schrank. Gibt ja auch viel mehr Auswahl: Heels in verschiedenen Höhen und Formen, Stiefel, Ballerinas, Sneaker, was weiß ich. Bei uns gibt’s nur Sneaker oder Nicht-Sneaker. 

 

Das hat zur Folge, dass wir generell weniger Lebenszeit darauf verwenden, uns über Schuhe Gedanken zu machen. An einem normalen Tag ziehen wir morgens die an, die wir am Vortag nicht anhatten. Weder unsere Stimmung, noch unser Outfit oder das Wetter ändern daran etwas.

 

Außer das Wetter ist wirklich extrem, also so richtig ekliger Winter. Mit knöchelhohem Schnee oder Schneematsch, der unsere Normalschuhe sofort durchnässen würde. Für diesen Fall haben die meisten von uns schon ein Paar Winterschuhe, in das wir dann schlüpfen. Nur um dann gleich zu spüren, wie unangenehm wir das finden. 

 

Erstens, weil die Dinger klobig und breit und schwer sind.

 

Zweitens, weil wir, sobald wir nach dem Gang durchs Schneegestöber in einem Hörsaal oder Büro sitzen, merken: Mit diesen Schuhen kann man bestimmt den Nanga Parbat besteigen, ohne sich kalte Zehen zu holen. Aber bei Zimmertemperatur sind sie für unsere Füße die reinste Sauna – ohne Aussicht, nach zehn Minuten in einem Eisbecken auf Normaltemperatur abgekühlt zu werden.

 

Wir haben die Wahl zwischen Modellen, die einen sofort an Robbenfänger in Lappland oder Reinhold Messner denken lassen

 

Und drittens, weil wir sehen: Männer-Winterschuhe sind meistens hässlich. Für euch gibt es schöne, schlank geformte Stiefel in verschiedenen Varianten. Wir haben die Wahl zwischen Modellen, die einen sofort an Robbenfänger in Lappland oder Reinhold Messner denken lassen. Das erträglichste sind wahrscheinlich noch Schuhe der Gattung Panama Jack – und das sagt schon alles.

 

Winterschuhe für Männer sind so designt, dass sie im Kälte- und Wasserabweisen Bestnoten erzielen, ansonsten aber den Wunsch nach einem Wiederaufleben des Trends zu Baggypants hervorrufen: Dann könnte man sie wenigstens darunter verstecken. Seit es sich für uns schickt, etwas engeres Beinkleid zu tragen und es unten ein bisschen hochzukrempeln, fühlen wir uns in Winterschuhen erst recht, als hätten wir riesige Elefantenstampfer. 

 

Über all diese Nachteile könnten wir vielleicht hinwegsehen, wenn Winterschuhe nicht so teuer wären. Aber 150 Euro ausgeben für Schuhe, die wir eigentlich nicht wollen und höchstens fünf Mal im Jahr aus dem Schrank holen? Das kommt uns sehr übertrieben vor. Da riskieren wir lieber, fünf Mal im Jahr ein bisschen zu frieren, und geben die 150 Euro für was anderes aus. Scheint mir ein okayer Deal zu sein. 

Was sich die Mädchen sonst noch so fragen: