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Illustration: Katharina Bitzl

Liebe Jungs,

kurz vorweg: Wir sind uns, glaube ich, einig und schon lange der Meinung, dass nicht immer ihr diejenigen sein müsst, die den ersten Schritt machen. Das wäre unfair, keine Frage. Wer das Verlangen verspürt und sich als Erster oder eben Erste traut, der/die soll fragen, rüberkommen, einen ausgeben, den Chat eröffnen – eben die Kommunikation beginnen, auf welche Weise es passend erscheint.

Speziell geht es uns jetzt aber um die Fälle, in denen die Ouvertüre von euch kommt. Noch spezieller um die Fälle, in denen das so ist und wir uns sofort sicher sind: Danke, kein romantisches (oder sexuelles) Interesse vorhanden. Denn in diesen Fällen stehen wir vor der kniffligen und schier unlösbaren Aufgabe, euch genau dieses Desinteresse mitzuteilen – aber so, dass wir cool aus der Sache rausgehen, ihr keinen Knacks bekommt und es trotzdem sehr deutlich wird, dass das NICHTS wird. 

Beispiel: Ein Arbeitskollege, ein Kommilitone oder jemand aus dem erweiterten Freundeskreis fragt uns, ob wir „mal was trinken“ gehen wollen. Das sind die schwierigsten Kandidaten, denn wir kennen sie meist nicht gut genug, um einfach ehrlich zu sein, müssen aber gleichzeitig auch nach dem Gespräch noch weiterhin mit ihnen zu tun haben. Was sollen wir also tun? Es gibt ja nur folgende (schlechte) Möglichkeiten:

„Nein, danke.“

Das ist irgendwie zu unhöflich. „Nein, danke“, das kann man zu einem zweiten Stück Kuchen sagen, nachdem man eins gegessen und ausführlich gelobt hat. Aber nicht zu einem Menschen. Außerdem wollen wir natürlich auch ausdrücken, dass wir uns geschmeichelt fühlen und ihn nicht demotivieren, sondern stattdessen signalisieren: Toll, dass du dich getraut hast, weiter so, du hast dir nur die Falsche gesucht. Es liegt nicht an dir, es liegt an mir.

„Ich habe leider einen Freund.”

Dabei kommen wir uns doof vor – den Freund vorschieben... Damit sagen wir ja: Wenn ich keinen Freund hätte, dann liebend gerne. Was ja auch nicht stimmt. Und wir wollen auf keinen Fall, dass er denkt: Okay, ich muss nur warten, bis sie den anderen abschießt.

„Tut mir leid, aber ich möchte kein Date mit dir.“

Never ever. Denn damit machen wir uns angreifbar und sind auf einmal nicht mehr in der besseren, sondern in der schlechteren Position. Der andere kann darauf nämlich antworten: „Was? Date? Ich wollte einfach nur was mit dir trinken gehen! Ich steh’ gar nicht auf dich!“ Er ist dann zwar fein raus, aber als Frau ist man dann die selbstverliebte Olle, die sich überschätzt und völlig blamiert hat.

Macht man es andersherum und willigt ein, weil es ja nicht um ein Date geht (er hat ja nur „was trinken“ gesagt), dann merken wir in der Bar, dass er natürlich denkt, es sei ein Date, sitzen in einer krass unangenehmen Situation fest und sind am Ende die, die falsche Signale gesendet hat.

Und so könnten wir ewig weitermachen. Keine Antwort und keine Reaktion scheint uns die richtige Lösung zu sein. Also sagt uns doch bitte: Was ist euch am liebsten? Wie kommen wir alle aus dieser Situation heil raus und können uns danach noch entspannt im Büro oder in der Lerngruppe gegenüber sitzen, ohne dass einer den fetten Loser-Stempel auf der Stirn trägt?

Eure Mädchen

Die Jungsantwort: 

Jungs-Antwort

Liebe Mädchen,

zunächst mal eins: Es kann durchaus vorkommen, dass wir ein Bier trinken gehen wollen, ohne dass dabei ein romantisches oder sexuelles Interesse vorliegt. Das gibt es wirklich! Und es sollte viel öfter praktiziert werden, um uns von dieser großmütterlichen „Da schau her, die zwei Turteltäubchen“-Perspektive auf ein harmloses Getränk zu zweit zu befreien.

Aber gut, ein gewisser Verdacht schwingt natürlich immer mit, wenn sich zwei Menschen verabreden, ihre Freizeit (!) abends (!!) ohne Dritte (!!!) zu verbringen. Gehen wir nun mal der Einfachheit halber davon aus, dass der Kollege/Kommilitone oder wer auch immer sich das Ganze als Date vorstellt – und ihr keine Lust darauf habt.

Zunächst mal eine Warnung: In unserer hypersensiblen Gesellschaft kann offenbar jedes falsche Wort einen Heulanfall auslösen. Wie sensibel gerade Männer sind, beweist aktuell der Titel einer großen Wochenzeitung: Ein niedergeschlagener, nackter Mann sitzt am Strand, weil ihm die #Metoo-Debatte vermittelt hat, dass wirklich alles, was er tut, falsch ist. Er meint das übrigens stellvertretend für alle Männer. Ihr seht: Manche von uns nehmen berechtigte Kritik oder höflichen Widerspruch an. Andere heulen rum. Oder bekommen Wutausbrüche.

Aber zurück zur konkreten Situation. Wenn ihr wirklich nachhaltig darlegen wollt, dass ihr kein Interesse an uns habt, müsst ihr – trotz des sensiblen Männer-Temperaments – zu einem gewissen Grad eure Rücksicht hintenanstellen. Es gibt keine netten Absagen. Wer etwas riskiert, in diesem Fall wir Typen mit unserem Bierangebot, riskiert auch den Loser-Stempel. Das ist Teil des Spiels.

Für manche ist es aber sogar mehr als ein Spiel: Im Zweifelsfall steht da grade ein unglaublich verliebter Mensch vor euch, der selbst den kleinsten Strohhalm nutzen wird, um doch noch irgendwelche Chancen aus eurer Wortwahl herauszulesen. Auch in diesem Fall ist Klarheit wichtiger als ein verschwurbeltes Nicht-weh-tun-Wollen. Der bereits erwähnte Verweis auf eine vorhandene Beziehung schafft zumindest Fakten, ist aber weder ganz ehrlich, noch wirklich effektiv, wenn es sich um einen Schwerverliebten handelt. Andere Quasi-Ausreden wie „keine Zeit“, „mag kein Bier“, „werde gerade spontan krank“ oder sowas verzögern nur die Lösung der Situation. Außerdem sind sie manchmal schmerzhafter, als eine unmissverständliche Absage. Und das Herauszögern kostet beide Zeit und Nerven.

Unser Rat wäre also: Wenn ihr absagen wollt, dann höflich, aber bitte möglichst direkt. Das muss ein Mensch vertragen können. Es sei denn, er ist ein Arschloch, das Zurückweisung nicht erkennen oder nicht mit ihr umgehen kann, das euch belästigt, bedrängt, ausrastet, solche Sachen. Mit diesen Menschen wollt ihr aber vermutlich hinterher auch nicht befreundet bleiben, oder?

Auch wenn wir nach eurer Zurückweisung möglicherweise eine Zeit lang geknickt durch die Welt oder nackt am Strand herumlaufen müssen – irgendwann kriegen wir uns schon wieder ein. Und wenn nicht, ist das unser Problem.

Eure Jungs

Die Mädchen haben noch mehr Fragen: