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Lesbische Mädchen, fragt man euch, wer „der Mann“ in der Beziehung ist?

Viele glauben ja, dass es auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen traditionelle Rollen geben muss.
Von Lara Thiede und Madeleine Ludwig
Frau und Frau. Wer fragt denn da, wer der Mann ist?

Frau und Frau. Wer fragt denn da, wer der Mann ist?

Foto: katdoubleve / photocase / Bearbeitung: jetzt.de

Liebe lesbische Mädchen,

wenn ihr in einer Beziehung seid, seid ihr es mit einer Frau. Das sollte und dürfte mittlerweile eigentlich jeder verstanden haben. Trotzdem kommt es uns manchmal so vor, als kämen einige Heterosexuelle noch nicht ganz los von gewissen Vorstellungen, wie eine Paar-Beziehung auszusehen hat. Und dazu gehört oft auch eine bestimmte Rollenverteilung. Nämlich die mit einem sanften und einem starken Part. Und die sind aus unerfindlichen Gründen immer noch weiblich und männlich konnotiert. Viele finden deshalb anscheinend immer noch, dass eine Beziehung die Qualitäten beider Geschlechter braucht. Auch dann, wenn in der Beziehung nur eines vorhanden ist. 

Dass diese Rollenverteilung also immer wieder auch bei lesbischen Paaren gesucht wird, zeigen nicht nur Momente in Trash-TV-Sendungen, in denen eine Hetero-Braut eine lesbische fragt: „Und wer kommt nun von euch im Kleid und wer im Anzug?“ Oder das Erstaunen mancher Leute, wenn sie ein lesbisches Paar kennenlernen, bei dem beide Partnerinnen lange Haare tragen und gar nicht mal so gerne Fußball spielen. Das zeigt auch ein Bullshit-Bingo, das das Straight-Magazin im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Dort waren verschiedene Reaktionen aufgelistet, die anscheinend häufig darauf folgen, dass eine Frau sich vor jemandem als Lesbe „outet“. In einem dieser Felder stand die Frage: „Und wer ist bei euch der Mann in der Beziehung?“

Das ist wohl das – noch bescheuertere – Pendant zu „Wer hat bei euch eigentlich die Hosen an?“ Denn, wenn ihr einen Mann in der Beziehung gewollt hättet – wir sind uns sicher, ihr hättet schon einen finden können. Deshalb unsere Frage: Fragen euch Menschen das wirklich noch? Wer in eurer Beziehung „der Mann“ sei? Obwohl er doch sieht, dass keiner von euch beiden einer ist?

Wenn ja: Welche Sorte Mensch fragt euch das? Wie sehr strapazieren euch solche Fragen? Antwortet ihr darauf so, wie wir das erwarten würden, mit: Keine von beiden? Oder versteht ihr sogar, was die Leute damit meinen, weil ihr euch teils vielleicht wirklich an traditionellen Rollenbildern orientiert?

Erklärt doch mal, 

eure Hetero-Mädchen

Die Antwort der lesbischen Mädchen:

Mädchenantwort

Mädchenantwort

Collage: jetzt.de

Liebe Hetero-Mädchen,

 

ich würde mich als androgynen Typen beschreiben. Es kommt manchmal vor, dass ich auf einer öffentlichen Toilette kurz für einen Mann gehalten werde. Dann werde ich mit großen Augen angesehen und darauf hingewiesen, dass ich mich hier auf einer Damentoilette befinde. Sobald ich darauf antworte, wird klar, dass ich eine Frau bin. Eine Entschuldigung bekomme ich allerdings nicht zu hören.  

 

Mein Auftreten, ist der Ausdruck meiner Identität, nicht meines Geschlechtes. Ich bin ganz weit weg von „Mann“.  Trotzdem sehen mich die Menschen anscheinend manchmal als solcher und denken dann wohl auch, dass ich in der Beziehung mit meiner Freundin „der Mann“ bin. Vor einigen Jahren wurde mir die Frage danach auch wirklich noch regelmäßig gestellt. Und zwar ausschließlich von heterosexuellen Männern, die entweder versucht haben, mich und meine Freundin anzumachen, oder nicht wirklich wussten, wie sie mit uns in Gespräch kommen sollen. Wenn so eine Frage der Einstieg in ein Gespräch sein soll, dann möchte ich mich gar nicht erst weiter unterhalten. Meistens erkläre ich freundlich, dass ich auf so eine Unterhaltung keine Lust habe. 

 

Ein befreundetes lesbisches Paar hat seit sechs Monaten einen kleinen Sohn. Seit seiner Geburt, aber auch schon lange davor, wird auch ihnen diese Frage immer wieder gestellt. Die Fragesteller haben aber natürlich schon eine bestimmte Antwort im Kopf: Die Mutter, die das Kind geboren hat, muss ja die Frau sein. Die andere muss dann der Mann sein. Denn sie geht arbeiten und bringt das Geld nach Hause. Aber würde die Frau, die das Kind geboren hat, gleich wieder arbeiten gehen, weil sie einen viel besser bezahlten Job hat – wäre sie dann der Mann in der Beziehung? 

 

In meinem Freundeskreis gibt es heterosexuelle Paare, die diese Rollenbilder leben und kommunizieren. Bei den meisten anderen weiß ich aber, dass die Frage nach „Mann“ oder „Frau“ gar nicht im Raum steht. Also, biologisch gesehen schon. In allen anderen Lebenslagen spielt es überhaupt keine Rolle. Warum sollte das bei uns anders sein?

 

Auch wir merken, wie präsent diese Rollenbilder dann doch noch sind

 

Meine Freundin würde mich nie als „den Mann“ in der Beziehung bezeichnen. Wir machen allerdings ab und zu Witze über Rollenbilder. Besonders dann, wenn sie mir meine Klamotten bügelt, parallel kocht und ich in der Zeit auf der Couch liege und ein Buch lese. Manchmal pfeife ich ihr nach und bitte sie, mir ein Bier ins Wohnzimmer zu bringen. Dann kommt sie lachend vorbei, bringt mir ein imaginäres Bier und möchte wissen, ob ich sonst noch einen Wunsch habe. Wir nehmen das nicht ernst – aber merken dadurch natürlich, wie präsent diese Rollenbilder dann doch noch sind. 

 

In den vergangenen Jahren wurde mir die Frage, wer von uns „der Mann“ sei, zum Glück nicht mehr gestellt. Woran das liegt? Vielleicht am Alter? Oder doch daran, dass sich die Gesellschaft gewandelt hat, dass homosexuelle Paare eher zur Norm geworden sind, als sie es früher waren? Das wäre doch schön.

 

Eure lesbischen Mädchen

Was die Hetero-Mädchen sonst noch von den lesbischen Mädchen wissen wollen: