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Jungs, fehlt euch ein Männerarzt?

Braucht ihr nicht die jährliche Gewissheit, dass alles in Schuss ist, da unten?
Von Tami Holderried und Quentin Lichtblau
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Illustration: Janina Schmidt

Liebe Jungs,

bei uns Mädchen ist das so: Wir gehen mit etwa 14 Jahren das erste Mal zum Gynäkologen, auch Frauenarzt genannt. Der Name Frauenarzt ist dabei bezeichnend, denn: Es ist eben ein Arzt oder eine Ärztin, der oder die nur für uns Frauen da ist. Nur für uns!

Besuche beim Frauenarzt sind aus offensichtlichen Gründen nicht unsere liebsten Termine. Aber sie sind für uns obligatorisch – mindestens einmal im Jahr soll man sich als Frau durchchecken lassen. Frauen, die die Pille oder die Spirale zur Verhütung nutzen, sogar mindestens zweimal im Jahr. Das bedeutet: Wir haben gar keine andere Wahl, wir denken gar nicht darüber nach. Wir gehen einfach hin und machen beim Rausgehen schon den Termin fürs nächste Mal aus. Außerdem ist es auch ganz cool zu wissen, dass es da jemanden gibt, der Experte für den weiblichen Körper mit all seinen Eigenheiten ist. Der uns einmal im Jahr bestätigt: Alles ist okay mit diesen richtig wichtigen Körperteilen.

Nicht nur, aber auch deswegen ist der Frauenarzt im besten Fall eine Vertrauensperson, die nicht nur medizinische Dinge erklärt sondern auch für Fragen und Sorgen rund um Beziehungen und Sexualität ein offenes Ohr hat. Für viele Mädchen ist der Frauenarzt die erste Person außerhalb der Familie, mit der sie über Sex und Verhütung sprechen. Erwachsene Frauen holen sich dort Rat, wenn es um die Familienplanung geht. Gerade weil das Verhältnis zum Frauenarzt idealerweise über Jahre gewachsen ist, trauen sich viele Frauen dort Dinge anzusprechen, die ihnen sonst schwer fallen.

Ihr merkt, diese regelmäßigen Frauenarzttermine sind für uns nicht nur ein normaler Arztbesuch, da hängt ganz schön viel mehr dran. Und deshalb fragen wir uns: Fehlt euch da was? Wünscht ihr euch einen Männerarzt?

Klar, es gibt Urologen, die euch gern als Ersatz für einen Männerarzt verkauft werden. Aber die zählen nicht. Da können schließlich auch Frauen hin, wenn sie zum Beispiel eine Nierenbeckenentzündung haben. Außerdem müsstet ihr ja selbstständig aktiv werden und „einfach so“ einen Termin ausmachen um euch mal durchchecken zu lassen – und das machen die wenigsten von euch. Eigentlich geht ihr doch nur zum Urologen, wenn ihr wirklich, wirklich schlimme Beschwerden habt.

Fehlt euch eine Vertrauensperson, mit der man zum Beispiel auch mal über Dinge wie Verhütung, Sexfragen oder Familienplanung sprechen könnte? Und fehlt euch die jährliche Gewissheit, dass alles in Schuss ist da unten?

Erklärt mal.

Eure Mädchen

Die Jungsantwort 

Jungs-Antwort

Liebe Mädchen,

 

die Antworten in dieser Rubrik fallen ja meistens sehr ausgewogen,

irgendwo zwischen ja und nein, einerseits, andererseits aus – aber in diesem Fall können wir euch sagen: Um den regelmäßigen Frauenarztbesuch beneidet euch wirklich niemand. Die Vorstellung, von einem Mann oder einer Frau (was ist eigentlich schlimmer?) die Geschlechtsteile untersucht zu bekommen, ist uns zutiefst

suspekt, von frühpubertären Doktorspiel-Fantasien mal abgesehen.

 

Meine Generation „durfte“ diese Erfahrung noch unter Zwang bei der

Bundeswehr-Musterung durchmachen („wenn ich da gleich hinfasse, husten siebitte mal laut!“). Das Ganze hat damals weder uns, noch dem Arzt großen Spaß gemacht und hatte auch keinen tieferen Sinn außer der Lehre, dass der Staat uns auch mal ungehindert am Sack packen kann.

 

Bei uns ist das alles eher so Typ altes Mercedes-Taxi in Marokko

 

Einen Urologen haben nur wenige von uns je zu Gesicht bekommen. Hier

wird unsere Skepsis (oder ist es Schüchternheit? Prüderie?) möglicherweise grenzwertig, da man als Junge wahrscheinlich selbst bei tennisballgroßen Eiterwarzen zwischen den Beinen noch darauf zählen würde, dass die schon irgendwie von selbst weggehen. Wir haben aber auch schon von vorbildlichen Vertretern unseres Geschlechts gehört, die sich mit Ende 20 untenrum „einfach mal durchchecken“ lassen wollten und von der Sprechstundenhilfe mit einem „da sind sie aber noch ein paar Jahre zu früh dran“ abgewimmelt wurden.

 

Das ist vielleicht schon ein bisschen schade. Denn gerade mit dem

Vertrauensperson-Argument habt ihr eigentlich einen ganz guten Punkt, gerade bei als extrem peinlich empfundenen Dingen wie tennisballgroßen Eiterwarzen oder, noch schlimmer, plötzlichen Potenzproblemen. Aber wie da aus unserer offensichtlichen Verklemmtheit eine Normalität entstehen soll, wissen wir auch nicht genau. Die scheint sich bei euch zum einen über die Routine entwickelt zu haben. Aber sicher auch, zumindest glauben wir das, weil bei euch die meisten sehr komplexen körperlichen Dinge, die es

zum Kinderkriegen braucht, angesiedelt sind. Euer System ist da, sagen wir mal: störanfälliger. Und damit sind bei uns vermutlich von Haus aus die Sorgen kleiner und der Drang, sich überprüfen zu lassen, geringer. Wir wagen mal einen recht stereotypen aber vielleicht trotzdem ganz treffenden Vergleich:

 

Bei uns ist das alles eher so Typ altes Mercedes-Taxi in Marokko:

Läuft 700.000 km ohne Probleme zu machen, und wenn was nicht stimmt, merkt man es gleich, weil es quietscht. Und dann muss man halt die Bremsbeläge tauschen, beim Mechaniker um die Ecke.

Bei euch Frauen ist das Pendant eher so ein High-Tech-Tesla-Auto: Kann mehr, ist viel ausgeklügelter und komplexer. Aber dafür halt vielleicht auch etwas anfälliger für Fehler, die mehr nach sich ziehen und etwas schwieriger zu beheben sind als ein Quietschen.

 

Auto hin oder her: Fest steht jedenfalls: Ja, wir sollten da möglicherweise schon öfter hingehen als niemals und auf keinen Fall. Aber wirklich Lust darauf werden wir wahrscheinlich nie haben.

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