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Jungs, was macht unser Stöhnen mit euch?

Irgendwie scheint es oft anders auf euch zu wirken, als wir es nach dem Porno-Schauen erwarten würden.
Von Lara Thiede und Jakob Tieleck
maedchenfrage cover
Illustration: Katharina Bitzl

Liebe Jungs,  

eigentlich würden wir Fragen zu unserem und eurem Sexverhalten gerne seltener mit Pornobeispielen eröffnen. Aber in diesem Fall kommen wir leider nicht darum herum. Denn es geht ums Thema „Stöhnen“. Und dabei fällt uns besonders beim Pornoschauen etwas auf: Die Frauen stöhnen sich in der Regel die Seele aus dem Leib. „Uh“, „Ah“, „Oh my GOOOOOOOD“, „Yehehehehehes“– Ihr wisst sicher, wie sich das anhört.

Dieses Extreme-Moaning ist ungefähr so realistisch, wie der Schluss von „Warum hast du ne Maske auf?“ auf „Dann blas mir doch einen!“ logisch ist. Und ist vielen von uns Grund genug, den Ton beim Pornoschauen irgendwann auszustellen. Denn das wenig authentische Gestöhne erregt uns überhaupt nicht, sondern nervt vielmehr. Trotzdem merken wir uns das natürlich. Und lernen daraus, dass wenn wir euch unsere Begeisterung zeigen wollen, wir das wohl so ähnlich auch machen müssen, damit sie bei euch ankommt.

Klar ist uns bewusst, dass Pornos oft realitätsfern sind. Aber eben auch, dass sie auf jeden Fall mit euren Fantasien zu tun haben. Pornos werden ja leider nach wie vor hauptsächlich von Männern für Männer produziert. Und, dass Frauen darin immer wieder ihr angebliches Vergnügen herausquietschen, scheint euch zu gefallen. Sonst würde sich an dieser Kultur doch irgendwann mal etwas ändern. Uns irritiert das. Denn irgendwie ist die Wirkung unseres Stöhnens auf euch im Real Life nicht immer so, wie man sie nach dem Pornoschauen erwarten würde.

Wenn wir nämlich tatsächlich mal total pornös alles rauslassen, was wir so für sexy halten, „Pscht!“ ihr uns oft an. Wenn wir hauptsächlich die Klappe halten und uns darauf konzentrieren, was da unten gerade abgeht, seid ihr traurig und fragt: „Hat es dir gefallen? Du klangst irgendwie nicht danach...“ Und dann wiederum interpretiert ihr Schmerz-Stöhner, die ja leider auch vorkommen, außerdem oft so, dass sie euch noch zusätzlich anspornen.

Deshalb: Was zur Hölle wollt ihr eigentlich?! Wie müssen wir unsere Stöhner abstufen, damit ihr sie voneinander unterscheiden könnt? Also sagen, ob wir nur „Tiefer, schneller, weiter“ meinen, oder „Aua aua, nicht so fest“? Findet ihr Stöhnen in jedem Fall erregend? Würdet ihr euch von euren Sexpartnerinnen wünschen, dass sie dabei mehr Gas geben?

Stört euch unsere Lautstärke auch manchmal? Oder reicht euch unser „Hmm“ und „Ahh“ hie und da nicht? Wollt ihr, dass wir euch auch ganze Sätze ins Ohr hauchen? Oder sollen wir sie brüllen? Was macht unser Stöhnen mit euch? Braucht ihr das? Warum? Wir haben so viele Fragen! Erleuchtet uns doch mal.

Eure Mädchen 

Jungs-Antwort

Liebe Mädchen,

so direkt mit einem Pornobeispiel zu eröffnen, das finden wir gar nicht schlimm. Und ein bisschen wusstet ihr doch bestimmt, dass solche Explizitheiten unsere Aufmerksamkeit vergleichsmäßig gut erregen. In Pornos gibt es ja auch wenig Umschweife und das ist genau der Grund, warum wir sie schauen. Unsere zentrale Fantasie, die darin bedient wird, ist nämlich das uneingeschränkte Ja einer (meist) jungen, schönen und natürlich hemmungslosen Frau. Die verführt den Pizzaboten einfach nur, weil sie gerade Bock darauf hat und der Typ genau so horny ist wie wir vor unseren Laptop-Bildschirmen.

Wir versetzen uns aber nicht in den Pizzaboten hinein, sondern denken ihn aus dem Film raus und konzentrieren uns auf die Frau. Zugegeben, die Standard-Pornos machen uns das auch einfach, weil vom Kerl nur noch ein paar Zentimeter zu sehen sind. Und wenn wir gleichzeitig noch ein paar schnelle Unterarmbewegungen machen müssen und viele von uns ohnehin visuell orientiert sind, können wir auch das oft falsche und enervierende Gestöhne vielleicht ein bisschen besser ausblenden. Spätestens wenn wir gekommen sind, fällt es uns allerdings wieder auf und wir schließen hektisch und beschämt das Browserfenster. Durchaus einige von uns müssen auch vorher schon zu einem anderen Filmchen wechseln, wenn das Gestöhne derartig fake wirkt, dass es die Illusion des Ungezügelten stört.

Wir haben nämlich manchmal das Gefühl, dass ihr nicht immer so richtig aus euch rausgeht

Wenn sich also irgendwas aus diesen pornösen Fantasien ableiten lässt, dann ist das niemals eine Anleitung zum richtigen Stöhnen. Sondern nur die Tatsache, dass wir euch so ungehemmt wie möglich haben wollen, wenn wir mit euch schlafen. Wir haben nämlich manchmal das Gefühl, dass ihr nicht immer so richtig aus euch rausgeht. Und kaum hörbares Geseufze verstärkt diesen Eindruck oder wirkt manchmal sogar schambehaftet. Und wir wollen eben nicht das Gefühl bekommen, dass ihr euch dafür schämt, mit uns zu schlafen. Euch im Gegensatz dazu zum Kontrollverlust zu bringen, bis ihr Laute von euch gebt, die ihr vielleicht von euch selbst gar nicht kanntet, hat schon etwas sehr Erhebendes.

Aber wie bei allem Zwischenmenschlichen gibt’s da natürlich keine Bedienungsanleitung, sondern nur individuelle Grenzen und No-Gos. Wenn wir es in eurer Wohnung treiben, wo wir keine Rücksicht nehmen müssen, sind das andere Voraussetzungen, als wenn wir in unserem WG-Zimmer liegen und der frisch getrennte Mitbewohner auf der anderen Wandseite in sein Kissen weint. Da kann sogar ein “Pscht!” mal angebracht sein. Trotzdem ist es den meisten von uns lieber, tags darauf am Küchentisch einen vorwurfsvollen Blick oder Spruch des Mitbewohners zu kassieren, als über eure Lautlosigkeit rätseln zu müssen.

Und, wo wir beim Rätseln sind: wenn man euer “Mach weiter”-Stöhnen nicht von eurem “zu fest”-Schmerzlaut unterscheiden kann, ist das tatsächlich ein Problem. Entweder weil da ein unsensibler Vollpfosten an euch zugange ist, der definitiv eine Ansage braucht. Oder, weil eure nuancierte Kommunikation für uns manchmal schwer zu verstehen ist. In beiden Fällen werdet ihr das nicht sprachlos klären können. Jedenfalls nicht, wenn es eine freudvolle Wiederholung der sexuellen Aktivitäten mit dem jeweiligen Partner geben soll.

Aber was ist das auch eigentlich für eine Vorstellung, dass Sex sprachlos passieren müsse? Verzeiht uns die Plattitüde, aber: Erlaubt ist, was gefällt. Und wenn ihr uns zeigt, was euch gefällt, dann darf das sowohl in ganzen Sätzen sein oder sich eben zu animalisch ausgestoßenen Kehllauten steigern. Solange wir das Gefühl haben, dass es echt ist und aus euch heraus kommt, weil wir gerade gemeinsam Spaß haben, wird sich das einspielen. Nur bitte: Spielt mit uns, aber spielt uns nix vor. Das finden wir nämlich unnötig und irreführend. Weil wir viel lieber mit euch darüber sprechen würden, wie wir’s denn bei euch anstellen sollen, damit ihr Spaß habt. 

Eure Jungs

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