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Jungs, warum färbt ihr euch die Haare nicht?

Findet ihr eure natürliche Haarfarbe perfekt? Oder ist euch der Aufwand zu groß?
Von Alissa Hacker und Josef Wirnshofer
maedchenfrage haare cover
Illustration: Katharina Bitzl

Liebe Jungs,

seit ich vierzehn bin, färbe ich mir immer wieder meine Haare. Sie waren schon schwarz, rot, braun und auch sehr, sehr hellblond. Denn irgendwann war mir meine Naturhaarfarbe einfach zu langweilig. Und wenn mir meine neue Haarfarbe auch nicht mehr gefallen hat, habe ich sie einfach überfärbt.

Rückblickend war meine Experimentierfreude bei Haarfarben nicht immer die beste Entscheidung. Die lila Stirnfransen hätte ich mir zum Beispiel sparen können. Oder die beiden roten Strähnen, die mein Gesicht eingerahmt haben. Mit der Zeit habe ich so aber herausgefunden, welche Haarfarben mir gut gefallen und welche nicht so gut.

Auch wenn ich meine Freundinnen und Kolleginnen anschaue, stelle ich fest: Frauenköpfe sind sehr farbenfroh. Wir sind nicht einfach blond, brünett oder schwarzhaarig. Es macht einen großen Unterschied, ob wir platinblond, goldblond oder aschblond sind. Oder ob wir uns beim Friseur helle Strähnchen, Ombre-Look oder Dip-Dye machen lassen. Haarfarben sind bei uns einfach ein Thema. Doch wir haben das Gefühl, dass das bei euch nicht so ist. Denn die meisten von euch tragen das auf dem Kopf, was die Natur ihnen gegeben hat.

In der Schulzeit war das anders. Wir erinnern uns zum Beispiel an eure blond gefärbten Haarspitzen, die ihr zu einer Igel-Frisur gegelt habt. Manche von euch wollten mit blau, rot oder grün gefärbten Haaren zeigen, wie rebellisch sie sind. Und die schwarzen Emo-Haare waren damals ebenfalls unisex. Auch bei älteren Männern sieht man immer wieder, dass sie sich die Haare färben, anstatt sie grau werden zu lassen. Das wird dann allerdings heiß diskutiert – siehe Gerhard Schröder und die Frage, ob er nun hat oder nicht. Aber irgendwann zwischen grünen und grauen Haaren hört ihr auf, die Haare zu färben und bleibt eurer Naturhaarfarbe treu.

Es ist natürlich total okay, wenn man seine Haare nicht färben will. Aber es macht auch Spaß, verschiedene Haarfarben auszuprobieren. Wieso färbt ihr also eure Haare nicht, wenn ihr erwachsen seid? Findet ihr eure Naturhaarfarbe perfekt, so wie sie ist? Habt ihr Angst, dass es euren Haaren schadet? Oder ist es euch den Aufwand einfach nicht wert? Erklärt uns das doch mal.

Eure Mädchen

Die Jungsantwort: 

Jungs-Antwort

Liebe Mädchen,

halt, halt, halt, bitte langsamer und mit weniger Fremdwörtern: Ein Ombre-Look, was ist das? Und ein Dip-Dye? Klingt, als könnte man das essen, ist aber wahrscheinlich nicht so.

Ihr merkt an dieser Reaktion: Das Haarefärben steht bei uns nicht ganz oben auf der Stil-Agenda. Es ist eher eine Fußnote, ein flüchtig vollgekritzeltes Post-it, das wir bestimmt irgendwann mal irgendwohin gepappt, danach aber sehr schnell wieder vergessen haben. Womit wir gleich beim ersten, sehr profanen Grund wären, warum wir uns nicht die Haare färben: Wir denken darüber einfach nicht nach. Haare sind halt Haare, man trägt sie überwiegend auf dem Kopf, und ob sie nun blond, braun oder rot sind, ist so willkürlich wie die Form unserer Nase oder die Größe unserer Ohren.

Klar, manchmal sprechen auch wir über Haare. Bei einem Kumpel in der WG-Küche oder abends in der Bar. In den wenigen Fällen, in denen das passiert, geht’s dann aber eher um den neuen Schnitt, den sich der Kumpel hat verpassen lassen. Oder darum, dass er sich die Haare wachsen lässt, wollte er schon länger ausprobieren, mal sehen, wie lange er durchhält. Aber welche Haarfarbe er nun hat? Interessiert keinen.

Es stimmt schon: Die meisten von uns durchlaufen eine Art Experimentierphase. Während der Schulzeit, oder besser: während der Jahre zwischen zwölf und 16. Jene Jahre, in denen wir so wandelbar sind und in denen es schnell wieder vergessen ist, wenn man phasenweise mit einer eher waldschratigen Haarpracht rumläuft.

In dem Alter probieren wir vorsichtig aus, ob und wie uns eine andere Haarfarbe steht. Der Klassiker: die Haare blondieren. Wem das zu gewagt, zu auffällig, zu „Oh Gott, wie wird das wohl aussehen?“ ist, der lässt sich zumindest ein paar Strähnchen ins Haupthaar tupfen. Die Sache ist aber: Oft hinterlässt das bei uns ein kleines Frisurentrauma. Denn die meisten Versuche, in diesem Alter frisurtechnisch irgendwie cooler auszusehen, gleichen einem Köpper ins Meer der Geschmacklosigkeiten.

Haarefärben hat für uns eine nahezu furchteinflößende Fallhöhe

Das prägendste Beispiel nehmt ihr in eurer Frage vorweg: die blondierten Haarspitzen, die man mit zu viel Gel zum kümmerlichen Igelkopf geschleimt hat. Die Bilder aus dieser Zeit landen später – völlig zurecht – in der Kategorie „Fotos, die besser nicht aufgenommen worden wären“. Denn mal ehrlich: Diese Frisur sah nicht nur schlecht aus. Vielmehr war sie der prallste unter den modischen Eiterpickeln. Und wer von uns mal einen blondierten Igelkopf hatte, für den sind gefärbte Haare vorerst keine Option mehr (es reicht sogar auch, diesen unter Gleichaltrigen gesehen zu haben).

Das führt uns zu dem etwas tiefer liegenden Grund: Haarefärben hat für uns eine nahezu furchteinflößende Fallhöhe. Bei euch ist es völlig normal, dass ihr eure Haarfarbe ab und zu ändert. Das Färben an sich sorgt also nicht groß für Aufregung. Bei uns ist es genau umgekehrt: Wenn ein Junge über 16 sich die Haare färbt, fällt er allein schon auf, weil er es getan hat (völlig egal, welche Farbe er gewählt hat). Käme uns ein Freund, ein Kollege, ein Nachbar plötzlich mit schwarzen Haaren entgegen, wo er gestern doch noch braune hatte, wäre das eine Ausnahmesituation, denn: macht ja sonst keiner. Und darüber würden wir in der WG-Küche oder in der Bar auf jeden Fall sprechen – wahrscheinlich mit Irritation, vielleicht sogar mit Befremden.

Würden wir aus dem Friseurladen gehen und eine andere Haarfarbe tragen als zuvor, würden wir uns fühlen, als wären aus allen Richtungen die Stil-Lupen auf uns gerichtet. Als würden sich hinter uns die Köpfe umdrehen und raunen: Warum hat der neue Haare? Ganz ungewohnt, kennen wir den überhaupt? Diese (möglicherweise übertriebene) Vorstellung setzt uns unter Druck – weswegen wir meistens mit unserer Naturhaarfarbe ganz gut klarkommen.

Und wenn Männer mal ein bisschen nachhelfen, weil ihre Schläfen langsam angrauen, geht es ihnen ja auch darum, ihre gewohnte Haarfarbe wiederherzustellen. Aber das ist den meisten von uns tatsächlich vor allem eins: zu viel Aufwand.

Eure Jungs

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