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Netzmoment 2017: Ein neuer Fan für Rage Against the Machine

Die alte Crossover-Wut ist 2017 immer noch aktuell.
Von Christian Helten
  • netzmoment rage sde

Musik hat eine wahnsinnige Kraft. Sie ist in der Lage, uns in Zustände der Euphorie, Freude, Melancholie, ach, eigentlich jeden Gefühlszustand zu versetzen. Und sie kann uns auf Zeitreisen schicken.

Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn wir ein Lied oder ein Album, das wir zu einer bestimmten Zeit gehört und dann für Jahre vergessen haben, irgendwann wieder abspielen. Sofort beschleunigt die Zeitmaschine, sofort sind wir wieder die Menschen, die wir waren, als diese Musik den Soundtrack unseres damaligen Lebens bestimmten.

Mein Netzmoment des Jahres 2017 hat genau so eine Zeitreise ausgelöst. Er katapultierte mich zurück in die Neunziger, in eine Zeit, als Baggy Pants noch cool waren und eine Musikrichtung namens „Crossover“ ihre Hochphase hatte.

Nachdem ich das Youtube-Video gesehen hatte, in dem ein Hip-Hopper sich dabei filmt, wie er zum ersten Mal in seinem Leben Rage Against the Machine hört, musste ich dieses Album sofort selbst wieder rauskramen. Denn seine Reaktion quillt über vor echter, ungespielter Begeisterung. Vor Staunen über die Wucht dieses Albums, über die Riffs, die niemals alt werden, über die Wut von Sänger Zack de la Rocha, die einen aus jeder Silbe anspringt wie ein tollwütigern Kampfhund.

 

 

Ich hörte also wieder Rage Against the Machine. Nicht nur dieses Album, auch die anderen. Ich arbeitete mich weiter, über Dog eat Dog und System of a Down bis zu Downset und Body Count. Ich tauchte wieder ein in die Kraft dieser wütenden Protesthymnen gegen ein rassistisches Amerika mit Ungerechtigkeiten gegenüber Minderheiten und Polizeigewalt gegen Schwarze und Latinos.

 

Vor allem aber merkte ich, als ich ein bisschen herumgoogelte, was aus diesen Bands geworden ist, wie wenig sich eigentlich seit den Neunzigern in den USA getan hat. Denn in den vergangenen Monaten erlebte die Wut der alten Crossover-Helden ein Comeback: in Form von neuen Alben dieser Helden. Im März haben Body Count sich wiedervereinigt und mit Bloodlust ein neues Album herausgebracht. Im September kam „Prophets of Rage“, das erste Album der gleichnamigen Band, einer Supergroup aus Tom Morello von Rage against the Machine, Chuck D von Public Enemy  und B Real von Cypress Hill. Und schon im Juni hatten sich ehemalige Mitglieder von Cypress Hill, Downset, Biohazard und Fear Factory zu einer Band namens Powerflo vereinigt.

Dass genau diese Menschen jetzt wieder Musik machen – und dass sie dabei dieselben Themen ansprechen wie vor 20 Jahren: Rassismus, Polizeigewalt, die Ungerechtigkeit in den Ghettos – zeigt vielleicht am besten, wie es in den USA gerade aussieht. Wie gespalten das Land und wie groß das Rassismus-Problem immer noch ist. Früher hatten diese Bands (und ihre gesamten Genres) ihren Höhepunkt in der Zeit größerer Rassenunruhen 1992, die wiederum Folge von Polizei-Willkür und -Rassismus waren. In den vergangenen Jahren und Monaten waren genau diese Dinge in den USA wieder sehr präsent.

 

Das heißt: Diese Comebacks sind keine Comebacks alter Knacker, die noch mal Geld oder Aufmerksamkeit brauchen. Die Wut von früher ist wieder oder immer noch da.

 

All das hat mir mein Netzmoment 2017 gezeigt.

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