Partner von

Musikmagazin „Intro“ wird eingestellt

Und damit ein Stück Jugendkultur.
  • intro quadr
    Foto: Felix Kästle / dpa

Es gibt ein paar Dinge, die zu jedem Pop-Festival gehören. Dosenravioli zum Beispiel. Warteschlangen vor den Dixi-Klos. Vollgematschte Schuhe. Und eine Ausgabe der Intro. Meistens hat man das Heft nach dem Festival vom Rucksackboden geborgen, etwas zernudelt zwar, aber man wollte es nicht wegwerfen. Da war ja noch das Tocotronic-Interview, für das man sich noch ein wenig Zeit nehmen wollte. Die Modestrecke, das Porträt über diese junge Band aus dem Breisgau, die Plattenkritiken – wollte man alles noch lesen.

Seit 1991 ist die Intro untrennbar mit der Pop- und Jugendkultur in Deutschland verbunden. Das Gratis-Magazin liegt in Plattenläden und Kneipen aus, bietet liebe- und anspruchsvollen Musikjournalismus und dürfte schon in jeder Studenten-WG zwischen Kiel und Konstanz gelegen haben. Jetzt ist Schluss. Am Freitag gab der Chefredakteur Daniel Koch bekannt, dass das Heft im Juli eingestellt wird.

„Der Anzeigenmarkt für Printmagazine ist dramatisch geschrumpft“, schreibt Koch, „in einem Maße, das auch durch Digital-Erlöse nicht aufzufangen war“. Deshalb erscheinen nur noch die Mai-Ausgabe, der Festivalguide, ein Praise-Heft und eine Abschieds-Intro.

„You will be missed“

Matthias Hörstmann hat das Magazin vor 27 Jahren gegründet. Auch er kommt in der Abschiedsmeldung zu Wort: „Intro ist für mich zu keinem Zeitpunkt ein Job gewesen, sondern das große Privileg, eine Leidenschaft zum Beruf machen zu können. Und das mit großartigen Menschen, die diese teilen.“

„You will be missed“, twitterte der Musikjournalist und ehemalige Intro-Chefredakteur Linus Volkmann. Dazu spielt er in einem Witz auf die Bedeutung an, die das Heft für Konzerte und Live-Clubs hatte: „Wie viel INTRO-Leute braucht man, um eine Glühbirne einzuschrauben? 15! Einen für die Birne, 14 stehen auf der Gästeliste.“

Eine Userin fragt dagegen, ob Jugendliche nicht bitte wieder anfangen könnten, Magazine zu lesen. Vor zehn Tagen erst hat das Magazin Neon bekannt gegeben, dass die Printausgabe im Juni zum letzten Mal erscheint. Danach soll das Magazin nur noch digital zu lesen sein. 

Im Moment ist unklar, ob es intro.de weiter geben wird. Manche Medien berichten, das Online-Angebot solle bestehen bleiben. Chefredakteur Daniel Koch schreibt: „Intro.de und festivalguide.de bleiben bis Juli fresh und aktuell.“

jwh

Mehr Pop? Hier lang: