Ein Batzen Geld für alle?

Ein Batzen Geld für alle?

Foto: afp/Roslan Rahman

Der Generationenvertrag funktioniert nicht mehr, sagt die britische „Resolution Foundation“. Der Thinktank, der sich vorrangig mit den Lebenswelten von Familien mit geringem bis mittlerem Einkommen beschäftigt, hat daher eine „intergenerationale Kommission“ mit Experten aus Wirtschaft, Gewerkschaften und dem akademischen Sektor aufgestellt, die Lösungen für das Problem finden sollten. In deren Abschlussbericht findet sich nun ein ziemlich unkonventioneller Vorschlag, der gerade in britischen Medien die Runde macht: Jeder junge Mensch soll zu seinem 25. Geburtstag 10.000 Pfund erhalten.

Laut der Kommission brauchen junge Menschen in Großbritannien genau in dieser Zeit eine Unterstützung, um ihre Wohnsituation zu regeln, ihr Studium fortzusetzen oder ein Unternehmen zu gründen. Sie umschreibt die Idee mit den Worten „citizen's inheritance“, was sich in etwa mit „Bürgererbschaft“ übersetzen ließe. Jeder soll nach seinem 25. Geburtstag ein Anrecht auf diese Erbschaft haben, darf sie dann allerdings nur für Bildungszwecke, Unterkunft, zur Unternehmensgründung oder für die eigene Rente ausgegeben. 

„Die jüngeren Generationen sind größeren Risiken ausgesetzt und verfügen über weniger Vermögenswerte als ihre Vorgänger. Für dieses Ungleichgewicht muss es eine Entschädigung geben, wenn wir das Versprechen einer vermögensbasierten Demokratie aufrecht erhalten wollen“, heißt es im Abschlussbericht. Für Millennials sei es im Vergleich zu ihrer Vorgängergeneration heute nur halb so wahrscheinlich, im Alter von 30 Jahren Eigentümer einer Immobilie zu sein, vier Mal wahrscheinlicher sei eine teure Mietunterkunft – oder eben, dass sie weiterhin im Kinderzimmer wohnen. Dass die junge Generation insgesamt jemals den Wohlstand ihrer Eltern erreichen wird, liegt in Großbritannien – genau wie in Deutschland – heute im Bereich des Unmöglichen.

Die Experten befürchten daher, dass Wohlstand und Chancen im Leben künftig nur noch vom materiellen Erbe abhängen könnte. Und selbst wer erbt, bekomme die Vermögenswerte erst kurz vor Renteneintritt übertragen, nicht in den finanziell strapaziösen Jahren der Existenz- und Familiengründung. Die intergenerationale Komission will daher ein gerechtes Erbe zum richtigen Zeitpunkt.

Bei solchen Maßnahmen steht natürlich sofort die Frage im Raum: Woher soll das Geld kommen? Die Experten wollen hier konsequenterweise bei der Erbschaftssteuer ansetzen. Sie soll abgeschafft und durch eine konsquentere Besteuerung ersetzt werden. Sobald ein Erbe oder eine sonstige Schenkung zwischen den Generationen 125.000 Pfund übersteigt, soll es künftig besteuert werden, bei Summen bis 500.000 Pfund mit 20 Prozent, darüber mit 30 Prozent. Dieses neue System soll dem Staat jährlich sechs Milliarden Pfund einbringen, sagen die Experten. Geht es nach der intergenerationalen Kommission, soll die „citizen's inheritance“ ab 2030 eingeführt werden.

qli

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