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Parkland-Schülerin parodiert Sprecherin der NRA

Und entlarvt die fragwürdige Argumentation der Waffen-Lobbyistin.
Sarah Chadwick hat die Schießerei an ihrer Schule in Parkland, Florida, überlebt. Jetzt setzt sie sich für schärfere Waffengesetze ein - zuletzt mit einem Parodie-Video.

Sarah Chadwick hat die Schießerei an ihrer Schule in Parkland, Florida, überlebt. Jetzt setzt sie sich für schärfere Waffengesetze ein - zuletzt mit einem Parodie-Video.

Screenshot / Twitter

Seit dem Attentat an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland in Florida kämpft eine Gruppe von Schülern für schärfere Waffengesetze. Sie tun das mit viel Einsatz, Mut und einer Schlagfertigkeit, die einen manchmal vergessen lässt, dass diese Schüler bis vor ein paar Wochen noch ganz normale Teenager-Leben geführt haben. Oft wirken sie, als hätten sie schon jahrelang Erfahrungen als Strategen für Social-Media-Kampagnen gesammelt. Die prominentesten unter ihnen haben in wenigen Tagen Hunderttausende oder sogar Millionen Follower gesammelt – und schnell gelernt, wie sie ihre Twitter- und Facebook-Kanäle nutzen müssen, um die Waffen-Debatte in ihrem Sinne zu steuern.

Eine aus dieser Schülergruppe ist Sarah Chadwick. Einige Medien haben bereits darüber geschrieben, dass sie sich ganz besonders mit schlagfertigem Witz in ihren Tweets hervorgetan hat, dabei aber auch immer inhaltlich und argumentativ treffend war. Am vielleicht eindrucksvollsten bestätigt hat sie das diese Woche in einem Video, in dem sie Dana Loesch, die Sprecherin der Waffenlobbygruppe National Rifle Association (NRA) parodiert.

Das Video der NRA-Sprecherin:

Das Video von Sarah Chadwick: 

Loesch ist eine Bilderbuch-Erzkonservative: Sie war in der Tea Party aktiv, arbeitete für Breitbart News, verbreitet ihre teils extremen Ansichten als Radiomoderatorin und NRA-Video-Bloggerin. 2014 erschien ihr Buch „Hands off my Gun“.

Vergangenes Wochenende veröffentliche sie auf Twitter eine Art Teaser-Video für ihre neue Show bei NRA-TV. Sie steht dabei vor schwarzem Hintergrund und spricht mit bedeutungsschwangerer Gestik und Mimik, am Ende hält sie eine Sanduhr in die Kamera. Die Zeit läuft ab – das ist ihre Botschaft, gerichtet unter anderem an „alle lügenden Mitglieder der Medien, an alle Hollywood-Schwindler und Sport-Vorbilder, die ihre Redefreiheit nutzen, um zu verändern und unterwandern, wofür unsere Flagge steht“.

Wenige Tage später stellte sich auch Sarah Chadwick neben eine Sanduhr. Nicht ganz so professionell ausgeleuchtet und ausgestattet, wie dieses Making-of-Video zeigt, dafür aber inhaltlich ausgefeilt. Sie imitiert Loeschs Rede in Aufbau und Stil, ändert aber entscheidende Stellen ab, sodass sie die Schwächen in der Argumentation der Lobbyistin entlarvt.

Aus den Sport-Vorbildern in der Loesch-Rede werden „alle Pressesprecherinnen mit einer Sanduhr, die ihre Redefreiheit nutzen, um zu verändern und unterwandern, wofür unsere Flagge steht“. Aus den Politikern, die laut Loesch „lieber zusehen, wie Amerika brennt, als ein Gramm ihrer persönlichen Macht zu verlieren“, werden bei Chadwick Politiker, die „lieber zusehen, wie Amerikas Jugendliche sterben, als Sturmgewehre aus den Regalen zu verbannen“. Am Ende sagt auch sie: „Die Zeit läuft ab“. Dann wird das Datum des „March for our lives“ eingeblendet, der Großdemo für schärfere Waffengesetze in Washington, den die Schüler derzeit organisieren und für die sie bereits prominente Unterstützer gefunden und viel Geld gesammelt haben

Im Meinungskampf zwischen Schülern und Waffenlobby geht dieser Punkt an Sarah Chadwick. Die Zahlen bestätigen das: Ihr Video wurde 21.000 mal retweetet und bekam 63.000 Likes, bei Loesch kamen 8500 Retweets und 19.000 Likes zusammen.

che

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