Im Rahmen einer Kundgebung des Zentralrats der Juden in Deutschland demonstrieren Menschen vor dem Brandenburger Tor gegen Antisemitismus.

Im Rahmen einer Kundgebung des Zentralrats der Juden in Deutschland demonstrieren Menschen vor dem Brandenburger Tor gegen Antisemitismus.

Foto: Maja Hitij / dpa

Bedrückend und beschämend, wie präsent der Antisemitismus in Deutschland wieder ist. Wie oft wieder von Anfeindungen gegen Juden zu lesen ist. Im Dezember etwa wurde ein Video durch die sozialen Medien gereicht, in dem der Besitzer eines israelischen Restaurants in Berlin aufs Übelste beschimpft wird. Regelmäßig liest man von Schülern, die wegen ihres jüdischen Glaubens bedroht werden. Und vergangene Woche wurden die Rapper Kollegah und Farid Bang mit dem Echo ausgezeichnet, obwohl sie in ihren Texten und Videos mit antisemitischer Symbolik hantieren.

Burak Yilmaz schockiert es, wie offen Antisemitismus heute wieder gelebt wird. Deshalb hat der 30-jährige Pädagoge ein Videoprojekt gestartet, mit dem er über Antisemitismus aufklären und ein Zeichen gegen jegliche Form von Anfeindung gegen Juden setzen will. Der Plan: fünf Videos, die er mit Jugendlichen zwischen 18 und 20 Jahren drehen wird und die verschiedene Aspekte des Antisemitismus thematisieren. Mit einer Crowdfunding-Kampagne sammelt er gerade Spenden, um die Videos produzieren zu können.

Yilmaz arbeitet seit 2012 für den Duisburger Verein Jungs e.V., der verschiedene Projekte für jugendliche Männer anbietet. Eines davon: die Gruppe HeRoes, die sich mit Gleichberechtigung und Menschenrechten auseinandersetzt. Mit ihnen will Burak Yilmaz die fünf Videos drehen, die dann über soziale Plattformen verbreitet werden sollen. „Wir stellen bei unserer Arbeit in Schulklassen fest, dass Antisemitismus vor allem auf Social Media Hochkonjunktur hat“, sagt er gegenüber jetzt, „dazu wollen wir einen Gegenpunkt setzen“. 

Es ist nicht das erste Mal, dass Yilmaz ein Projekt gegen Antisemitismus startet. Seit 2012 fährt er jedes Jahr mit muslimischen Jugendlichen nach Auschwitz, um sie über den Holocaust aufzuklären. In den vergangenen Monaten wurde immer wieder darüber diskutiert, wie stark Antisemitismus unter Muslimen verbreitet ist. Gerade Rechtspopulisten instrumentalisieren diese Diskussion. „Natürlich gibt es auch in der muslimischen Community Antisemitismus, aber wir dürfen dieses Problem nicht auf eine Minderheit schieben“, sagt Yilmaz, „wir müssen Antisemitismus immer gesamtgesellschaftlich sehen, er geht uns alle an“.

jwh

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