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Diese Aktivistinnen wehren sich gegen Heidi Klum

Das feministische Kollektiv „Vulvarines“ macht mit dem Hashtag „NotHeidisGirl“ mobil gegen den ästhetischen Terror von GNTM.
Interview von Christina Waechter
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    Fotos: instagram / vulvarines

jetzt: Lisa, du und deine Vulvarines-Mitstreiterin habt auf Instagram mit dem Hashtag NotHeidisGirl eine Aktion gestartet, um gegen die neue, mittlerweile 13. Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ zu protestieren. Warum habt ihr gerade jetzt die Kampagne gestartet?

Lisa: Zunächst mal, weil sich unsere Gruppe auch gerade erst im Juli gegründet hat. Und weil wir denken, dass jetzt die Zeit ist und die Möglichkeiten bestehen, medialen Gegenprotest zu formieren.   

 

Ich verstehe die Aktion so, dass euer Online-Protest zeigen soll, wie Mädchen und junge Frauen in der Sendung zu Objekten gemacht werden und dass es durchaus junge Frauen und Mädchen gibt, die sich gegen diese Objektivierung wehren. Richtig?

Ja, aber das ist nicht alles. Uns geht es vor allem darum, dass die Marke Heidi Klum und das Format GNTM nur ein Symptom einer sexistischen und patriarchalen Gesellschaft ist. Vielfalt – in diesem Fall körperliche Vielfalt – wird immer noch als Bedrohung angesehen, statt als Normalität. Wir verstehen unsere Kampagne als Medium, durch das sichtbar wird, was Realität ist. Wenn wir mit unserer Kampagne erreichen, dass Menschen sich bestärkt fühlen und das auch äußern, dann haben wir schon viel geschafft.

Warum findet ihr ausgerechnet GNTM so besonders gefährlich?

Es geht uns nicht darum, nur GNTM an den Pranger zu stellen. Allerdings vereint GNTM nicht nur Sexismus und Patriarchat, sondern eine damit einhergehende Verwertungslogik. GNTM suggeriert Mädchen und jungen Frauen, dass ihr gesellschaftlicher Wert an ihr Äußeres gekoppelt ist. Somit reiht sich dieses Format ein in einen Rattenschwanz von Mode- und Werbeindustrie. Alle verdienen an Selbstzweifeln und Unsicherheiten. Gerade von jungen Mädchen. Und hier sind wir nicht die ersten, die das medial anprangern. Pinkstinks macht in diesem Bereich schon seit Jahren mobil. Auch andere Expert*innen weisen seit Jahren darauf hin, dass Formate wie GNTM Menschen sowohl körperlich, als auch seelisch krank machen können.

 

Glaubt ihr, dass ihr mit dieser Aktion auch die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen auf euch ziehen könnt? Gefühlt perlt jede Kritik, auch die von amtlichen Medienwächtern, an den Machern der Sendung komplett ab.

Ehrlich gesagt ist das gar nicht unser Ziel. Wir wollen Menschen erreichen, die betroffen sind von Sexismus und Lookism. Uns geht es um die Stärkung und Emanzipation von Betroffenen und nicht um die Überzeugung von Verantwortlichen. Denen eine Bühne zu geben, die sie schon längst betreten haben, erscheint uns irgendwie nicht sinnig.

 

Seid ihr zufrieden mit den Reaktionen auf eure Aktion oder könnte es mehr sein?

Ha! Tatsächlich stehen unsere Laptops und Handys seit Tagen nicht mehr still. Keine von uns hätte mit so einem Echo gerechnet. Wir versuchen allen Anfragen gerecht zu werden und die sichtbar zu machen, die sichtbar sein wollen. Wir sind unglaublich überwältigt und gerührt, wie viele Menschen wir mit unserer Kampagne erreichen. Und es zeigt: darauf haben viele gewartet.

 

Die Sendung wird ja seit Beginn ihrer Ausstrahlung kritisiert, trotzdem ist sie unfassbar erfolgreich. Vor allem bei einer sehr jungen Zielgruppe. Versteht ihr auch ein bisschen den Reiz, den so eine Sendung hat?

Natürlich! Der Mensch ist immer auf der Suche nach dem Ästhetischen und Schönen. Leider zeigt uns unsere Welt nur eine sehr einseitige Darstellung dessen. Gerade Mädchen und junge Frauen, die Orientierung und Identität suchen, bekommen eine scheinbar einfache Antwort geliefert. In der Realität zeigt sich dann aber, wie hoch der Preis dafür ist.

 

Wer steckt eigentlich hinter den Vulvarines und was macht ihr jenseits von GNTM?

In erster Linie sind wir Frauen mit ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten. Wir sind Studentinnen, Angestellte, Mütter, Aktivistinnen. Letztendlich Freundinnen, die es satt sind, tagtäglich gesellschaftlich aufgezwungene Standards wiederzukäuen. Wir gehen auf die Straße und in das persönliche Gespräch. Wir wollen uns und andere stärken und sensibilisieren. Und was da noch kommt? Wer weiß das schon.

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