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Mein Netzmoment 2017: Das Gedenkkonzert für Chester Bennington

Als so deutlich wurde, wie sehr ein Mensch fehlen kann.
Von Josef Wirnshofer
  • netzmoment chester cover
    Illustration: Katharina Bitzl

Ich muss gestehen: Linkin Park waren mir immer irgendwie egal. Eine sympathische Band, das schon. Gerade auf den ersten beiden Alben eindrucksvolle Songs, das auch. Trotzdem: Mir schien ihre Musik stets ein paar Meter zu nah am Pathos gebaut. Ein wenig aufgesetzt, so ging meine kurz gegriffene Meinung über sie.

Wie sehr man sich täuschen kann. Als im Juli dieses Jahres die tragische Nachricht vom Suizid des Linkin-Park-Sängers Chester Bennington um die Welt ging, hörte ich eine Zeit lang wieder die Songs, die mir ein Freund oft vorgespielt hat, als wir 14 oder 15 waren. „Numb“ zum Beispiel, oder „Crawling“. Gerade Benningtons Texte kamen mir plötzlich anders vor als damals. Authentisch, bedrückend real.

Über Wochen habe ich die Stücke immer wieder gehört. Habe es bewundert, wie offen die Band etwa in den sozialen Medien mit ihrer Trauer umging. Wie sie nach kurzer Zeit Initiativen ins Leben gerufen hat, die Menschen mit Depressionen helfen sollen.

Ende Oktober gaben Linkin Park im Hollywood Bowl dann ein Konzert zu Ehren von Chester Bennington. Im Netz konnte man es über einen Live-Stream verfolgen. Als die Band die ersten Takte von „Numb“ spielte, verdunkelte sich die Bühne. Kein Musiker war mehr zu sehen, nur ein Mikrofon war beleuchtet, an dem niemand stand. Ein paar Takte später begannen mehr als 17.000 Fans zu singen. An das Wort Pathos dachte ich in dem Moment nicht. Eher daran, was diese Geste auf sehr würdevolle Art gezeigt hat: Wie sehr ein Mensch fehlt, wenn er nicht mehr da ist.

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