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Foto: Charlotte Bastam

Wie viel Einfluß darf die Wirtschaft auf Universitäten nehmen? 

Spätestens seit gestern wird diese Frage wieder kontrovers diskutiert. Da nämlich unterzeichnten die Technische Universität München (TU) und die Stiftung des Lidl-Gründers Dieter Schwarz ein bemerkenswertes Eckpunktepapier:

Die Lidl-Stiftung schenkt der TU  20 neue Professuren für Betriebswirtschaftslehre. Genauer: der „School of Management“ –der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der TU. 13 der Mitarbeiter sollen auf einem neuen Campus in Heilbronn forschen und lehren, also in der Heimatstadt von Dieter Schwarz. Die übrigen sieben sollen die Uni in München verstärken. Insgesamt könnten sich die Kosten auf einen dreistelligen Millionenbetrag belaufen. 

Wir haben uns bei den TU-Studenten umgehört und gefragt, was sie von diesem Deal halten. Ob sie eine Einflussnhame des Discounters auf die Lehre fürchten oder ob sie glauben, dass sie davon profitieren. 

Luhong Li, Executive MBA Student an der School of Management:

luhong li
Foto: Charlotte Bastam

„Im Grunde finde ich es eine tolle Sache, wenn man Geld an die Uni spendet. Wie man das Geld dann am Ende ausgibt, ist eine andere Herausforderung. Ich denke aber, dass da mehrere Parteien beteiligt sein werden, die Stiftung kann sicherlich nicht allein entscheiden, wer das Geld letztlich bekommt. Ich sehe das vielmehr als Ausdruck eines guten Willens, als dass dann tatsächlich in irgendeiner Form Einfluss auf die Lehre genommen wird. Ich weiß von anderen Unternehmen, die an die TU spenden und bis jetzt sehe ich da noch keinerlei Einflussnahme.“

Chedi Fassi, studiert Elektro- und Informationstechnik

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Foto: Charlotte Bastam

„Ich finde es unfair, dass nur Geld für Professuren für die BWL gespendet wird. Bei einem so großen Spender sollte das Geld an die gesamte Universität gehen.“ 

Marwin Schoppa und Marcel Kölling, beide studieren Architektur:

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Foto: Charlotte Bastam

Marcel (rechts): „Sicherlich ist das Ganze keine uneigennützige Angelegenheit, aber im Grunde ist das doch immer so. Andere Unternehmen spenden schließlich auch. Schlimm finde ich das eigentlich nicht.“

Marwin: „Ich habe bis jetzt auch noch keine negativen Berichte gelesen, in denen es hieß, dass andere Unternehmen, die spenden, einen schlechten Einfluss auf die Uni gehabt haben sollen. Ich sehe das darum nicht so kritisch. Vielleicht ist dies auch der Anlass für weitere Firmen, mehr Geld zu spenden. Das wäre auch für andere Fachrichtungen wie die Architektur nicht schlecht, vielleicht für einen neuen Laser. Aber am Ende bekommen das Geld dann wahrscheinlich die Bauingenieure…“

Annika Brenninger, studiert Umweltingenieurwesen:

annika brenninger
Foto: Charlotte Bastam

„Lidl möchte sich damit doch vor allem in ein gutes Licht stellen. Aber gerade dann gäbe es so viele andere Dinge, für die man auch spenden könnte! Ich finde, dass es zum Beispiel viel sinnvoller und wichtiger wäre, für die Umwelt zu spenden – vor allem da die Uni eigentlich genug Geld hat.“

Sophia Leopold, studiert Architektur

sophia leopold
Foto: Charlotte Bastam

„Auf der einen Seite ist es nicht schlecht, dass die Uni noch mal Geld kriegt, obwohl sie schon recht viel davon hat. In der Architektur könnten wir auch mehr Geld gebrauchen, da wäre so ein Sponsor schon nicht schlecht. Gleichzeitig liegt es nahe, dass ein so großes Unternehmen Geld an die BWL spendet. Man sollte  natürlich trotzdem immer wieder über eine mögliche Einflussnahme seitens dieser Unternehmen nachdenken.“ 

Benjamin Beyer, studiert BWL

benjamin beyer
Foto: Charlotte Bastam

„Es ist nie eine schlechte Idee, in Bildung zu investieren! Und ich glaube, dass durch diese Spende überhaupt nicht so viel Einfluss genommen werden kann. Hier an der School of Management arbeiten wir doch sowieso sehr viel mit Unternehmen zusammen.“

Jessica Weinmann, studiert BWL

jessica weinmann
Foto: Charlotte Bastam

„Na klar möchten die Unternehmen, dass bestimmte Forschungen vorangetrieben werden und spenden darum an bestimmte Fachbereiche. Aber es ist ja auch nicht nur Lidl, sondern die gesamte Unternehmensbranche, die spendet. Dafür profitieren am Ende auch die Studenten. Gerade hier am Institut fallen dieses Semester viele Professoren weg. Darum können wir diese Spende aktuell gut gebrauchen.“