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450 Euro brutto pro Tag für den Bergführer

Michael, 33, ist staatlich geprüfter Berg- und Skiführer. Da braucht man nicht nur ein Gespür für den Berg, sondern auch für den Menschen.
Protokoll von Tami Holderried
  • jobkolumne berfuehrer cover

Die Motivation

Ich bin quasi in den Bergen groß geworden – schon als Kind war ich mit meinen Eltern dauernd beim Wandern oder Skifahren. Nach dem Abi habe ich dann zuerst Sportwissenschaften studiert, wollte eine Zeit lang auch mal Profisportler werden und bin Radrennen gefahren. Heute bin ich froh, dass ich nicht dabeigeblieben bin – das wäre mir viel zu langweilig! Als Bergführer ist kein Tag wie der andere, denn der Job ist je nach Saison, Wetter und Menschen ganz unterschiedlich. Ich bin mit meinen Gästen in allen alpinen Disziplinen unterwegs: im Sommer sind das Hochtourengehen und Klettern, im Winter dann Freeriden, Skitourengehen und Eisklettern. Im Gegensatz zu manchen Kollegen habe ich kein Spezialgebiet, mir taugt wirklich jede Disziplin. Ich mag am Bergführen aber auch ganz besonders das Menschliche: Man ist ja ständig mit Fremden unterwegs und es ist schön zu sehen, wie sich die Leute auf so einer Tour entwickeln – man lernt sich in den Bergen in kürzester Zeit auf sehr intime Weise kennen. Das ist was ganz Besonderes.

Die Ausbildung

Die Ausbildung zum staatlich geprüften Berg- und Skiführer dauert insgesamt drei Jahre, ich habe das nebenbei während meines Sportstudiums gemacht. Um überhaupt die Ausbildung beginnen zu dürfen, muss man einen ziemlich anspruchsvollen Eingangstest ablegen. Der besteht aus jeweils einer Woche Prüfungen im Sommer und im Winter: Da wird geschaut, ob man genug persönliches Können in den alpinen Disziplinen mitbringt. In der Ausbildung liegt der Fokus dann auf der Führungstechnik: Wie führt man andere Menschen sicher und vorausschauend am Berg? Man lernt viel über die Natur, das Wetter, über Sicherheit am Berg, zum Beispiel wie man mit den Seilen umgeht und wie man eine Tour plant. Was man nicht so richtig lernen kann, ist das Gefühl für den Berg. Das braucht man in diesem Job einfach. Deshalb sind auch fast alle Bergführer, die ich kenne, schon ihr Leben lang alpin unterwegs. Aber auch ein Gefühl für Menschen ist wichtig: Man muss lernen, sie schnell gut einschätzen zu können um sie dann auf der Tour entsprechend anzuleiten.

Der Alltag

Sommer, Winter, verschiedene Sportarten, verschiedene Gäste und verschiedene Touren – so richtig Alltag gibts da nicht. Meistens läuft es aber so ab: Die Gäste buchen mich, entweder über meine Website oder direkt, denn ich habe mittlerweile auch sehr viele Stammgäste, die jedes Jahr mit mir unterwegs sind. Dann plane ich die Tour, je nach den Wünschen und dem Können der Gäste. Den größten Teil des Jobs macht dann natürlich die Zeit unterwegs am Berg aus. Dabei sind die Touren unterschiedlich lang und anspruchsvoll. Ich bin auch viel im Ausland unterwegs und war zum Beispiel schon öfter für mehrere Wochen mit Gästen in Norwegen. Spontaneität gehört auch dazu: Wenn zum Beispiel eine Skitour geplant ist, aber erst eine Woche später genügend Schnee liegt. Generell versuche ich aber, vor Beginn der jeweiligen Saison schon die grobe zeitliche Planung fertig zu haben. Sieben-Tages-Wochen sind dann keine Seltenheit, dafür bin ich in der Nebensaison sehr flexibel und kann mir freinehmen, wenn es passt. 

 

Die Verantwortung

Am Berg bin ich für meine Gäste verantwortlich. Oft bin ich Risikomanager für sie: Ich muss Gefahren einschätzen und manchmal auch Leute bremsen. Zum Beispiel wenn ein paar Männer in einer Gruppe am Anfang lossprinten und ich merke, dass sie es in dem Tempo nicht bis zum Gipfel schaffen. Oder wenn ich sehe, dass die Lawinengefahr an einem Hang zu hoch ist – da lasse ich meine Gruppe lieber umdrehen, als ein zu hohes Risiko einzugehen. Bislang hatte ich Glück und habe noch keine falsche Entscheidung getroffen. Aber niemand ist vor gefährlichen Situationen gefeit – ein Restrisiko bleibt, das sollte jedem bewusst sein, der in den Bergen unterwegs ist.

 

Das Geld

Der empfohlene Tagessatz am Berg für einen Bergführer ist 450 Euro – in der Realität liegt die Bezahlung oft darunter. Deshalb, und auch weil der Job natürlich sehr abhängig vom Wetter und der Saison ist, habe ich noch eine halbe Stelle beim Deutschen Alpenverein. Das machen auch viele meiner Kollegen so: Die Hälfte der Woche sind sie in den Bergen unterwegs, die andere Hälfte machen sie einen Bürojob. Das ist eine gute Absicherung. Insgesamt bin ich pro Jahr meistens etwa 100 Tage als Bergführer unterwegs.

 

Die Frage auf Partys

Die meisten wissen gar nicht so richtig, was man als Bergführer alles macht! Da muss ich dann erstmal erklären, wie vielseitig der Job wirklich ist. Deshalb wird es mir auch nach mehreren Jahren nicht langweilig: An meinen freien Tag steige ich privat in die Berge, ich kann einfach nicht genug davon bekommen.

 

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