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Bis zu 2500 Euro netto für den Tennislehrer

Mathias ist Tennistrainer und Tennisschulinhaber - und sehr froh um seinen Job, weil er nicht den ganzen Tag im Büro sitzen muss.
Von Mercedes Lauenstein
  • job cover tennislehrer
    Foto: Jörg Mette

Der Weg

 

2014 bot mir mein heutiger Verein an, seine ziemlich heruntergewirtschaftete Tennisschule zu übernehmen und etwas Neues aufzubauen. Irgendwie hat mich das Angebot sofort gepackt. Ich habe gleich zugesagt. Selbstständig sein fand ich schon immer eine gute Sache, meine Eltern sind auch beide selbstständig. Tennis war immer meine Leidenschaft, Tennistrainer bin ich auch schon lange. Nebenbei studiere ich aber noch Trainingswissenschaften, weil ich der Meinung war, das Trainersein alleine reicht nicht. Nächstes Jahr steht dann die Masterarbeit an..

 

Was man können muss

Als Trainer muss man natürlich erst mal fachlich fit sein und absolut verlässlich. Am wichtigsten sind aber Menschenkenntnis und Empathie. Wie gehe ich richtig mit Kindern um, wie mit Müttern, Vätern, erwachsenen Kunden? Man sollte schon zur Extrovertiertheit neigen –– und sich nicht nur still und verschüchtert auf dem Platz rumdrücken. Wenn einem die Tennisschule auch noch gehört, muss man außerdem eine gewisse Härte mitbringen, oder sagen wir: eine eigene Haltung. Wissen, was man will und wofür man steht. Wenn jemand meckert, muss man das zwar ernst nehmen und fair und freundlich lösen können, aber an einem gewissen Punkt muss man auch sagen können: Das ist meine Tennisschule, hier läuft das so und so, wenn dir das nicht passt, geh woanders hin. Und das ist gerade am Anfang, wo man noch um jeden Kunden und jedes Mitglied froh ist, echt schwer.

 

Das Schöne an dem Job

Ich mochte schon immer gern Leuten etwas beibringen. Da sieht man einfach so klar das Ergebnis der eigenen Arbeit. Plötzlich können die was, das sie vorher nicht konnten, ob Kinder oder Erwachsene, das ist jedes Mal wieder erfüllend und motivierend. Und ich genieße es, mit den Leuten zu reden und zusammen mit den Schülern eine gute Zeit zu verbringen. Den ganzen Tag im Büro oder in der Uni oder einem Labor sitzen, das konnte ich mir noch nie vorstellen. Außerdem ist es ein gutes Gefühl, sein eigener Herr zu sein. Das ist meine eigene Tennisschule und ich kann entscheiden, was da gemacht wird. Ich kann mich kreativ ausleben und einfach mein Ding machen und muss niemanden um Erlaubnis fragen.

 

Das Nervige an dem Job

Man ist als Tennisschulbesitzer ja nicht nur Trainer, sondern auch Unternehmer. Im besten Fall bin ich die eine Hälfte des Tages auf dem Platz und gebe Training und die andere Hälfte des Tages im Büro und erledige Papier- und Orgakram. Damit kann ich gut leben, das ist ein schöner Ausgleich von körperlicher und geistiger Arbeit. Es gibt aber auch Wochen, da bin ich mal nur im Büro, zum Beispiel jetzt gerade. Das ist anstrengend. Ich muss die neuen Trainingspläne schreiben, mich um Gruppeneinteilungen kümmern, Kurse abrechnen, alles durchorganisieren, was dieses Jahr noch an Events und Turnieren ansteht und schon mal die ersten Events für 2018 planen. Auch erledige ich immer noch den ganzen Mailverkehr selbst, und der ist bei gut 250 einzelnen Kunden wirklich nicht wenig. Überhaupt sind die Tage in der Tennisschule lang, wir fangen um 7.30 Uhr an und sind bis 22 Uhr abends in Betrieb, im Sommer unter Flutlicht, im Winter in unserer Halle.. Das geht außerdem alles natürlich Richtung Sieben-Tage-Woche, denn auch am Wochenende haben wir ja Events und ich muss eigentlich ständig für Nachfragen erreichbar sein. Und seit kurzem haben meine Frau und ich ein Kind, da fragt man sich schon, wie das eigentlich alles zu vereinbaren ist. Leicht ist es jedenfalls nicht. Man muss irgendwie lernen, sich selbst Grenzen zu setzen und gut zu delegieren. Das bringt einem aber natürlich niemand bei.

 

Das Geld

Ich zahle mir jeden Monat zwischen 2.200 und 2.500 Euro als Nettogehalt aus. Auf dem Geschäftskonto ist natürlich mehr, davon werden meine Angestellten und die laufenden Betriebskosten bezahlt. Was davon übrig bleibt, lasse ich da liegen. Das Gute an so einer Tennisschule ist, man schreibt sehr schnell schwarze Zahlen, man hat ja kaum Investment. Die Tennisschule, also das Grundstück und die Plätze gehören ja zum Verein und die Anschaffungen sind überschaubar: paar Bälle, paar Leih-Schläger und ein paar Trainingshilfen.

 

Der Satz, der auf Partys immer fällt

Die Reaktionen meiner Freunde und Bekannten haben sich über die Jahre etwas gewandelt. Seit ich die Tennisschule selber führe und viele wissen, wie viel Arbeit ich da reinstecke und dass das viel mehr ist als nur ein bisschen in der Sonne auf dem Tennisplatz rumhängen, nehmen sie das viel ernster und bewundern es sogar. Aber die allererste Reaktion ist lang gewesen: „Na den Job hätt ich auch gern, den ganzen Tag Tennis spielen und dafür auch noch bezahlt werden!“

 

 

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