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Horrormitbewohner: Die fleischfressende Veganerin

Jeder hat schon einmal mit einem Menschen gewohnt, mit dem er sich absolut nicht verstanden hat. In dieser Serie stellen wir sie vor.
  • horror mitbewohner vegane fleischesserin cover
    Illustration: Daniela Rudolf

Wohnsituation:  Zweier-WG zur Zwischenmiete

Geschlecht und Alter des Horror-Mitbewohners: weiblich, Anfang 20

Horror-Stufe: 8 von 10

Nach meinem Abitur zog ich in eine neue Stadt, um an einer Kunstakademie Malerei zu studieren. In dieser Stadt wohnte auch mein Exfreund Lucas* in einer WG mit seiner besten Freundin Alina. Lucas und ich hatten uns im Guten getrennt – dachte ich jedenfalls – und er überlies mir für acht Monate sein WG-Zimmer, während er ein Praktikum in München absolvierte. Ich fand das prima. Ich fühlte mich sofort wohl, verstand mich gut mit Alina und damit, dass sie Veganerin war, hatte ich auch kein Problem. Vor allem vermittelte sie mir anfangs, dass es okay war, verschiedene Essgewohnheiten zu haben. 

Doch das änderte sich leider schnell. Wir teilten uns einen Kühlschrank und immer, wenn Alina einkaufen war, lagen danach meine nicht-veganen Lebensmittel (Eier, Käse, Fleisch, Fischstäbchen) nicht mehr im Kühlen, sondern in der Küche verteilt – auf dem Boden, der Fensterbank oder sogar im Wohnzimmer. Als ich sie darauf ansprach, meinte sie, es sei unverantwortlich, dass meine Fleischfresser-Lebensmittel ihre veganen kontaminieren würden. Ich gab klein bei und packte von da an mein Essen in Plastikboxen oder zusätzliche Tüten. Nun durfte ich mir auch Moralpredigten von Alina anhören, dass ich mich doch auch vegan ernähren sollte.

Als ich eines Nachmittags nach Hause kam, war ich etwas verwundert. Ich hatte am Morgen einen ganzen Topf Chili con Carne für eine Fete am Abend vorgekocht – doch der Topf war leer. Ich fand ihn noch verschmutzt im Spülbecken und darin lag ein Esslöffel. Im Flur traf ich auf Alina und stellte sie zur Rede. Sie erzählte, dass vier Freunde von ihr spontan zu Besuch gekommen, hungrig gewesen waren und sich einfach auf mein Chili gestürzt hätten. Eine Entschuldigung bekam ich nicht zu hören und ich zweifelte auch etwas an ihrer Geschichte, da keinerlei anderes benutztes Besteck in der Küche lag. Allerdings machte ich mir keine weiteren Gedanken, da ich einen tollen Nachmittag mit meinem Kommilitonen Lorenz verbracht hatte. Sein Kuss zum Abschied hatte mich zu sehr benebelt. 

Am nächsten Tag fiel bei mir spontan ein Seminar aus und ich kam früher nach Hause. Ich freute mich auf die Portion Spaghetti Bolognese, die ich mir bereits vorgekocht hatte. Zuhause sah ich Alina. Sie saß mit dem Rücken zur Tür am Küchentisch und trug Kopfhörer. Sie hatte mich nicht bemerkt. Vor ihr auf dem Tisch stand mein Nudeltopf mit den definitiv nicht-veganen Spaghetti mit der definitiv nicht-veganen Bolognese-Soße – aus dem sie aß.

Als ich sie darauf ansprach, sah mich Alina geschockt an und fing dann an zu weinen. Mich störte ja nicht, dass sie Fleisch aß, mich störte, dass sie sich ohne zu fragen an meinen Lebensmitteln bediente. Ihre einzige Entschuldigung war: „Du bist ja auch nicht unfehlbar.“ 

Die Freundschaft mit Alina hatte einen Riss bekommen hatte. In der nächsten Zeit verschwand Geld aus meinem Portemonnaie, meine Kosmetika standen benutzt im Bad und einmal sah meine Zahnbürste so dreckig aus, als hätte jemand damit das Klo geschrubbt.

Nach einem Wochenende bei meinen Eltern fand ich meine Sachen in Umzugskartons verpackt im Hausflur

Die Beziehung zu Lorenz war derweil rasant vorangeschritten: Wir waren nun ein Paar und er übernachtete oft bei mir. Meine Mitbewohnerin war plötzlich nur noch wie eine flüchtige Bekanntschaft und wir begegneten uns eher zwangsweise in der Wohnung. Alina schien empört darüber, dass ich nach fünf Monaten Single-Dasein schon einen neuen Freund hatte und auch sonst eckten wir immer mehr an. Auch mein Ex Lucas trat wieder in mein Leben – mit hasserfüllte Mails und komischen Anrufen. 

Die Entscheidung auszuziehen, wurde mir von Alina schneller abgenommen, als ich dachte. Ich kam gerade von einem Wochenende bei meinen Eltern nach Hause, als ich meine Sachen in Umzugskartons verpackt im Treppenhaus fand. Mein Wohnungsschlüssel passte nicht mehr und mein Klingeln wurde ignoriert. Da ich mir nicht anders zu helfen wusste, keine andere Bleibe und keine spontane Unterbringung für meine Umzugskartons hatte, rief ich die Polizei. Alina wurde wegen Nötigung angezeigt.

Im Nachhinein erfuhr ich, dass mein Exfreund dachte, wir würden nur eine Beziehungspause machen, und dass er eifersüchtig auf Lorenz war. Für Alinas Verhalten fand ich leider nie eine Erklärung.

*alle Namen geändert

Bei diesem Text handelt es sich um den Beitrag einer jetzt-Leserin. Sie hat darum gebeten, anonym zu bleiben, ihr Name ist der Redaktion aber bekannt.

 

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