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Horrormitbewohner: Das egozentrische Muttersöhnchen

Jeder hat schon einmal mit einem Menschen gewohnt, mit dem er sich absolut nicht verstanden hat. In dieser Serie stellen wir sie vor.
  • horrormitbewohner spruehsahne cover

Wohnsituation: Vierer-Erasmus-WG

Geschlecht und Alter des Horror-Mitbewohners: männlich, 22 Jahre

Horror-Stufe: 6 von 10

 

Es fing schon damit an, dass Lorenzo* ein großes Mitteilungsbedürfnis hatte und uns, seinen drei Mitbewohnern in der internationalen WG, von Anfang an häufig Monologe in schlechtem Englisch hielt. Wollte man doch einmal einhaken, unterbrach er einen mit „Let me finish“. Da wir (zumindest am Anfang) nicht unhöflich sein wollten, saßen wir stumm und lächelnd da und lauschten seinen endlosen Geschichten.

 

Schon bald, nachdem wir zusammengezogen waren, stellte sich außerdem heraus, dass Lorenzo absolut unselbständig war, weil er bisher wohl im Hotel Mama gelebt hatte. Wo andere Erasmus-Studenten, die ebenfalls zum ersten Mal in ihrem Leben nicht bei den Eltern wohnten, allerdings einfach ein wenig gesunden Menschverstand einsetzten, verwunderte Lorenzo uns jeden Tag aufs Neue mit seinen Fragen und Taten.

 

Obwohl wir verhindern konnten, dass er eine ganze Flasche Waschmittel in die Waschmaschine kippte, löste er durch eine fingerdicke Fettschicht in seiner Pfanne beim Kochen regelmäßig den Feueralarm aus (und behauptete hinterher natürlich immer, er sei es nicht gewesen). Und als er das erste Mal den Boden wischte, stand das Wasser für fünf Stunden auf dem Küchenboden, der sich danach wölbte.

Den Sinn eines Putzplanes schien er nicht zu verstehen. Im Laufe der Zeit wurden unsere WG-internen Diskussionen daher immer heftiger. Oft fragten wir uns, ob er uns überhaupt verstand – denn selbst wenn wir einfach Worte wählten, hielt er sich beinahe nie an Abmachungen.

 

Nachdem Lorenzo sich rasiert hatte, sah das Bad aus, als sei darin ein Igel explodiert

 

Einmal hatte meine Mitbewohnerin das Badezimmer gerade frisch geputzt und Lorenzo hatte danach nichts Besseres zu tun, als sich am ganzen Körper zu rasieren. Es sah aus, als wäre ein Igel explodiert. Auch stapfte er regelmäßig ohne zu Klopfen und ohne T-Shirt in unsere Zimmer. Seine Begründung war, dass das in Italien ebenso üblich wäre. Und seine Lieblingsmacke war, dass er regelmäßig zum Kühlschrank tapste, sich einen Schuss Sprühsahne direkt in den Mund sprühte, und dann wieder ging. Die Tube hatte er auch mal bei einem Ausflug mit anderen Internationals als „Mittagessen“ dabei.

 

Insgesamt mangelte es Lorenzo an sozialer Kompetenz und Empathie. Als wir ihn einmal mit in den Pub nehmen wollten, radelte er so langsam, dass wir alle fast vom Rad fielen. Später war es ihm dann mit uns so langweilig, dass er lautstark mit seinem Bruder skypte. Meine Mitbewohnerin wollte ihn einmal in ein Gespräch verwickeln und fragte, auf welche Mädchen er stehe. Er antwortete prompt: Nicht auf solche wie sie. Er wusste einfach, wie man jedes Gespräch sofort killen konnte.

  

Zum Glück war das Ganze nach fünf Monaten und mit dem Ende meines Erasmusaufenthaltes vorbei. Ich gehe davon aus, dass er sich seitdem wieder im Hotel Mama verwöhnen lässt.

 

*Name geändert 

Bei diesem Text handelt es sich um den Beitrag unserer Leserin Felizitas Eichner.

 

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